September 2008


Dienstag, 02. September 2008

Darwin, Broome, Carnarvon

Eigentlich wollten wir in Darwin oder Katherine ja arbeiten. Wir hätten auch einen Job auf einer Mangofarm als Erntehelfer annehmen können. Weil es uns hier im Norden aber eindeutig zu heiß ist, die Farm ziemlich abgeschieden liegt und man höchstens einmal die Woche in die Zivilisation kommen würde, haben wir uns dagegen entschieden. Deshalb sind wir am Samstag (23.08.2008) in Darwin aufgebrochen und haben uns den Kakadu Nationalpark angeschaut. Der Kakadu Nationalpark ist mit 19.500 Quadratkilometern der größte Nationalpark Australiens und UNESCO-Weltnaturerbe. Wir hatten eigentlich Regenwälder und viele schöne Wasserlöcher zum Baden erwartet, aber das totale Gegenteil war der Fall. Es war alles total trocken und in den Wasserlöchern konnte man wegen den Krokodilen nicht baden. Es war auch zu heiß, um irgendwelche Wanderungen zu unternehmen und wir haben uns den Park quasi nur vom Auto aus angeschaut. Wenn nicht ein Schild „Kakadu National Park“ am Eingang gestanden hätte, hätte man auch nicht bemerkt, dass man jetzt in einem Nationalpark ist. So sind wir über 400km durch den Park fast umsonst gefahren. Die beiden Besucherinformationen im Park waren allerdings echt interessant und sehenswert. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man, wenn man alle Straßen im Kakadu Nationalpark gefahren ist, immer noch erst 1% vom ganzen Park gesehen hat. Zu einer anderen Jahreszeit, wahrscheinlich am besten nach der Regenzeit, hätte es sich bestimmt gelohnt den Park zu besuchen. Was bestimmt auch gut ist, ist eine Croc-Spotting Bootsfahrt auf dem Yellow River. Das war uns mit 70A$ pro Person aber zu teuer und auch immer noch zu heiß. Den Litchfield Nationalpark haben wir wegen der Hitze dann auch weggelassen, auch wenn es dort, wie wir jetzt erfahren haben, den besten Mango-Käse-Kuchen im ganzen Outback geben soll.

Am Sonntag sind wir dann weiter Richtung Westen gefahren und haben die Grenze nach Western Australia überquert. An der Grenze zwischen dem Northern Territory und Western Australia gibt es richtige Fahrzeugkontrollen und wir mussten unsere Kartoffen, Zwiebeln und den Honig abgeben. So wollen die Australier irgendwie die Verbreitung der Cane Todds (Kröten) verhindern. Der Kontrolleur, der uns das Essen abgenommen hat, sah ziemlich gut genährt aus. Man kann sich also denken, was mit dem ganzen Essen passiert ;)

Die Nacht zum Montag haben wir auf einem Rastplatz an einem fast ausgetrockneten Fluss verbracht. Als wir so durch den trockenen Fluss spaziert sind, haben wir tatsächlich zwei Krokodile entdeckt. Die haben sich nicht von uns stören lassen und man konnte ziemlich nah ran gehen. Gefährlich waren sie wahrscheinlich nicht, weil sie auch nur ca. 1,50m groß waren, aber wenn man sich mal vorstellt, dass die selbst in so kleinen Pfützen leben und man sie nicht sieht, wenn sie im Wasser sind, ist das schon unheimlich.

Montag sind wir dann in Broome an der Westküste angekommen und hatten endlich wieder das Meer und die geilsten Strände der Welt vor der Nase. Auf dem Weg nach Broome haben wir uns noch Derby und den Boab Prison Tree angeschaut - lohnt sich nur, wenn man wirklich genug Zeit hat. In dem Baum wurden früher aufsässige Aborigines eingesperrt.

In Broome gibt es den Cable Beach, der 2004 zum beliebtesten Strand Australiens gewählt wurde. Der Strand ist zwar ganz schön, aber wir haben schon bessere gesehen. Er hatte allerdings einen riesen Vorteil: man konnte dort sicher schwimmen gehen. Cool ist auch, dass man in Australien direkt mit dem Auto (4WD) auf viele Strände fahren kann. Highlight am Cable Beach sind die Kamelsafaris im Sonnenuntergang, die man für 60 A$ pro Person buchen kann.

Nachdem wir in Broome keinen Job gefunden haben, sind wir am Mittwoch weiter die Westküste runter gefahren. So sind wir ca. 900km am Stück bis Point Samson hinter Port Hedland gefahren. Dazwischen war wieder so gut wie nichts. Das einzig Coole war der Eighty Mile Beach. Den konnte man über eine Schotterpiste, die vom Highway abging, erreichen. Der Eighty Mile Beach ist ziemlich unberührt und der Strand echt paradiesisch. Dort haben wir bis jetzt auch die besten Muscheln gefunden. Obwohl einem davon abgeraten wird, war Chris im Meer baden. Bei dem blauen Wasser fällt es einem auch echt schwer zu widerstehen. Er ist auch direkt auf irgendeinen großen, glitschigen Fisch getreten. Wahrscheinlich war das ein Stachelrochen, der seinen tödlichen Stachel gerade erst gebraucht und verloren hatte.

Schade ist irgendwie, dass man dass Meer vom Highway aus nicht sehen kann, weil der Highway die ganze Zeit ca. 30km vom Meer entfernt durch öde Steppe führt. Wenn man dort irgendwie an den Eighty Mile Beach kommt, kann man bestimmt für Wochen total alleine sein – quasi wie in der „blauen Lagune“. Am Eighty Mile Beach legen Schildkröten von November bis April auch ihre Eier am Strand ab.

Donnerstag sind wir dann weiter nach Exmouth am Ningaloo Reef gefahren. Nachdem wir dort von den Hotels auf die Frage nach Arbeit immer nur die Antwort „Wir melden uns.“ bekommen haben, sind wir am Freitag weiter runter nach Carnarvon gefahren. Wir können es uns im Moment nicht leisten, irgendwo für einen Campingplatz zu zahlen und auf eine eventuelle Antwort zu warten, auch wenn wir noch ewig hätten da bleiben können. Wir werden aber auf jeden Fall noch einmal für eins, zwei Wochen ans Ningaloo Reef fahren. Auf dem Weg nach Carnarvon waren wir noch in Coral Bay schnorcheln. Das war echt der Hammer. Man konnte die großen Fische und das Riff dort schon vom Strand aus sehen und über die Korallen schnorcheln ohne etwas dafür zahlen zu müssen.

In Carnarvon gibt es 176 Farmen und es wird dort 70% vom Gemüse in ganz Western Australia produziert. Wenn wir hier keinen Job finden wo dann? Dumm nur, dass uns die Farmarbeit ja eigentlich zu anstrengend ist und wir auch nicht in der prallen Sonne arbeiten wollen. Da bleiben dann nur die Sheds, wo das Obst/Gemüse sortiert, verpackt und abtransportiert wird, übrig. Also haben wir diese alle abgeklappert, aber es schien keiner Arbeiter zu suchen und alle wollten sich mal wieder irgendwann melden, wenn was frei wird. Das macht natürlich keiner. Zum Schluss haben wir dann noch an einem Bananen-Shed nachgefragt und erzählt, dass wir vorhaben sechs Monate zu bleiben. Das fand die Chefin natürlich richtig gut. Außerdem hat ihr Sohn eine Deutsche geheiratet und sie hat einen Enkel in Deutschland. So hatten wir einen kleinen Vorteil und obwohl sie keine Arbeiter mehr brauchten, hat uns die Chefin am selben Abend noch angerufen und gesagt, dass wir am nächsten Tag anfangen können. So stehe ich jetzt seit Mittwoch mit 20 Asiatinnen am Fließband und sortiere Bananen. Echt Wahnsinn wie schnell die so sind. Chris ist quasi der erste Mann, wenn die Bananen angeliefert werden. Er muss um die Bananenstauden jeweils eine Kette legen, so dass diese dann von einer Maschine angehoben und in den Shed gefahren werden können. Gestresst sieht er dabei nicht aus.

Kurz nach dem Anruf der Bananenchefin hat uns auch noch der Besitzer von einem Hotel in Exmouth angerufen. Das Hotel wird von einem deutschen Ehepaar geführt und die beiden haben sich echt Gedanken gemacht, wie sie uns ein bisschen Arbeit geben können. Chris hätte dort für 20A$ die Stunde beim Umbau der Zimmer helfen können. Für mich hätten sie am Anfang nur zwei Mal die Woche was zum putzen gehabt und danach eventuell einen Job an der Rezeption. Axel, so heißt der Besitzer, konnte uns aber nicht garantieren, wie viele Stunden wir die Woche zusammen kriegen würden. Außerdem wollte er uns erstmal kennen lernen und dann entscheiden. Kann man ja auch verstehen, aber für uns wären das 700km Fahrtweg und Spritkosten umsonst gewesen, wenn er es sich dann anders überlegt hätte. Auch in Coral Bay hätten wir auf einem Campingplatz arbeiten können und sogar umsonst mit dem Touristenboot mit auf’s Meer fahren können. Da hätten wir aber nur ca. 20 Stunden die Woche arbeiten können und nicht genug Geld sparen können. So haben wir schweren Herzens die Angebote im Paradies zu arbeiten, abgelehnt.

Mehr zu Carnarvon und dem Bananen-Shed gibt es dann im nächsten Eintrag. Wir werden wohl bis Dezember hier bleiben. Carnarvon ist nämlich eine ganz nette Stadt, liegt direkt am Meer und man kann über’s Wochenende zum Ningaloo Reef fahren oder angeln gehen. Trotzdem wird es uns zwischendurch sicher ganz schön langweilig werden, weil hier echt nicht viel los ist. Carnarvon hat auch nur 6.900 Einwohner und viele europäische Backpacker gibt es auch nicht. Naja, wenn es nicht mehr auszuhalten ist, fahren wir einfach weiter.