November 2008


Mittwoch, 05. November 2008

„Kurzer“ Zwischenbericht aus Carnarvon

Wir arbeiten jetzt seit über 2 Monaten im Bananenshed und die Zeit vergeht zum Glück ziemlich schnell. Wahrscheinlich auch Dank dem guten Radiosender, der uns im Shed immer mit Musik beschallt. Die Mischung ist recht abwechslungsreich – es läuft sogar Nirvana und Bush (Glycerine, sehr guter Song). Allerdings könnten wir auf die Dauerbrenner wie „No Limits“ und Haddaway verzichten. Jemand sollte den Australiern mal erzählen, dass die schon lange out sind. Selbst von DJ Ötzi bleibt man hier nicht verschont.

Das mit dem Bananenpacken habe ich jetzt auch raus, nachdem ich mir mal den Packzettel von den anderen Mädels (und einem Typen) angeschaut habe. Wenn man anfängt zu packen und zwischendurch wieder aufhört, um zum Beispiel zu sortieren, schreibt man immer die entsprechenden Zeiten auf. Wenn man dabei dann ein bisschen schummelt, ist man auf einmal auch ziemlich schnell. Letzte Woche habe ich so 19,35 A$ pro Stunde für’s Packen verdient. Im Moment bin ich Springer. Das heißt, wenn viel zu tun ist, muss ich sortieren, wenn XL-Bananen da sind, muss ich diese sortieren, Sticker drauf kleben und packen und wenn es ruhiger ist, packe ich Lunch-Box Bananen. So macht es noch einigermaßen Spaß, weil man nicht den ganzen Tag das selbe macht.

Chris hat immer noch seinen Job im Außenbereich und ihm wird das langsam schon langweilig. Aber er macht seinen Job echt gut. Letzte Woche war Wayne, Chris Supervisor, krank und der Sweeter Banana Shed hat angerufen, ob Chris nicht schon früher kommen kann und quasi für den Supervisor einspringen kann. Nicht schlecht - wenn er jetzt noch das Gehalt vom Supervisor kriegen würde. Eine Gehaltserhöhung auf 18A$ die Stunde hat er immerhin bekommen. Naja wahrscheinlich schläft Wayne nur seinen Rausch vom GasDash, einem Off-Road-Rennen, das hier am Wochenende stattfand, aus. Wayne hat Chris gegenüber schon so Andeutungen gemacht, dass er am Wochenende ordentlich Bechern wird.

Chris arbeitet seit die Esten weg sind mit Taka, einem Typen aus Japan zusammen, dessen Englisch definitiv schlechter ist als Chris. Wenn Chris Taka was erklärt, wiederholt Taka alles nur und macht es dann doch wieder falsch. Wenn Chris ihn dann fragt „Do you know what I mean?“ ist die antwortet dann „Yeah, Yeah, you know!“. Übrigens gehen wir davon aus, dass Takas Freundin schwanger ist, weil sie sich morgens manchmal übergeben muss. Rein optisch sieht sie aber sehr jung und total schlank aus. Wir werden sehen, wie sich ihr Bauch in dem nächsten Monat noch verändert.

Letzte Woche hat ein italiensches Pärchen im Shed angefangen – Paolo und Luana. Vielleicht tauschen sie ja Taka noch gegen Paolo aus, der muss im Moment noch die Bananenhände abschneiden, weil sich letzte Woche ein australischer Cutter in den Finger geschnitten hat. Jedenfalls können wir uns in den Pausen jetzt wieder besser englisch unterhalten.

Auf dem Campingplatz wohnt seit einer Weile auch noch ein anderes deutsches Pärchen - Johanna und René. Die Beiden sind super sympathisch, arbeiten im Tomatenshed nebenan und haben auch einen Pajero. Sie haben uns auch den Tipp gegeben, wo wir ein offenes WLan-Netz finden und wo wir gut angeln können.

Das mit dem Angeln haben wir an einem Sonntag (19.10.2008) auch gleich mal ausprobiert. Der Platz ist ein kaputter Steg im Meer hinter der Seafood-Fabrik. Um überhaupt auf den Steg zu kommen, muss man erstmal bis zur Brust ins Wasser, um dann irgendwie auf den bestimmt 2,30m hohen Steg zu klettern. Wer uns kennt, weiß, dass wir damit echt ein Problem haben könnten. Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir ohne Leiter dort nicht rauf gekommen wären. Als wir Sonntag da waren, waren zum Glück aber noch andere Leute dort angeln, die sich eine Leiter mitgebracht hatten und die sie für uns dann auch runter gelassen haben.

An dem Tag haben wir das erste Mal in ganz Australien größere Fische gefangen. Und nicht nur einen in 2 Stunden, diesmal waren es sechs!!! Den größten habe ich sogar mit der „Aborigine-Angel“ gefangen. Das ist einfach ein bisschen aufgewickelte Angelsehne mit einem Hacken und ein bisschen Blei. Back to the roots!!! Aber es war einfacher als wir dachten, die Fische ohne Kurbeln aus dem Wasser zu bekommen. Außerdem hatten wir Glück, dass neben uns ein echt witziger Typ geangelt hat. Das war ein kleiner, rumpelstielziger Mann mit zwei Aborigine Frauen, der beim Angeln total abging. Wenn er einen Fisch am Haken hatte und die Rolle dieses surrende Geräusch gemacht hat, hat er immer zu uns rüber geschmult und gerufen „I love this sound!“. Danach ist er rum gesprungen, hat sich selber angefeuert und als der Fisch zu sehen war, hieß es immer „What a bloody big fish!“. Der Typ war echt cool und hat uns sogar noch zwei Hände voll von seinem Köder – so eine Art Garnelen, die wir auch gerne selbst gegessen hätten – und zusätzlich ein paar Angeltipps gegeben.

So was wie einen Kugelfisch haben wir auch noch gefangen. Als wir den dem Typen auf der Jetty gezeigt haben, hat er uns mit großen Augen angeguckt und gesagt „Cut the line“ – also zu deutsch: schneid die Sehne durch. Der Fisch war wohl giftig.

Letzten Sonntag (02.11.2008) waren wir auch wieder auf der „Broken Jetty“ angeln. Als wir ankamen war gerade Ebbe und das Wasser ging uns nur bis zum Bauch. Mit Räuberleiter haben wir es tatsächlich geschafft auch ohne Leiter auf die Jetty zukommen. Chris hat es sogar ganz ohne Hilfe geschafft – was für ein Kerl!

Eigentlich wollten wir an dem Tag mit Lu und Paolo, dem italienischen Pärchen aus dem Shed, angeln gehen. Die hatten aber verschlafen.

Unsere Angelausbeute war für unsere Verhältnisse wieder ziemlich gut. Zwei größere Trevallies und viele kleine Fische, die wir aber wieder ins Wasser geworfen haben. Der „Nachbar“ von Johanna und René war auch auf der „Broken Jetty“ angeln und hat uns noch zwei von seinen Fischen geschenkt. So hatten wir genug Fisch zum Essen. Das geilste war aber, dass wir eine Schildkröte von der Jetty aus gesehen haben. Die ist ganz gemütlich am Steg lang und drunter durch geschwommen und hat dabei immer mal wieder aus dem Wasser geschaut und uns angeguckt. GEIL!!! Wir hatten schon überlegt, ob wir noch mal nach Coral Bay ans Ningaloo Reef fahren und für viel Geld eine Turtle-Tour machen, weil hier im November die Eiablage beginnt, aber das werden wir uns sparen, nachdem wir eine Schildkröte live in der Natur gesehen haben. Danach hatte „Der Nachbar“ eine Muräne am Haken. Die sind wohl nicht ganz ungefährlich. Jedenfalls hat er sie nicht angefasst und gewartet bis sie tot ist. Wenn er nicht drei Haken drin gehabt hätte, hätte er wohl auch einfach die Sehne gekappt. Naja, damit nicht genug, kurze Zeit später hatte er dann auch noch einen nicht gerade kleinen Stachelrochen dran. Es war zwar alles super schön und spannend, das mal in freier Wildbahn zu sehen, aber wir mussten ja immerhin noch runter von der Jetty. Mittlerweile war dann auch Flut und die Wellen nicht mehr so klein. Ich habe eine direkt ins Genick bekommen, die mich beinahe umgehauen hätte. Und wenn man dann gerade erst gesehen hat, was da für Kreaturen im Wasser leben, möchte man am liebsten für immer auf der Jetty wohnen und sich von rohem Fisch ernähren, bis einen irgendwann entweder ein Boot oder ein Helikopter abholt.

Ein Arbeitskollege von Johanna und René hat an der „Broken Jetty“ wohl auch schon einen 1,60m großen Hammerhai (fast so groß wie ich) gefangen, den er bis ans Land schleifen musste, weil er ihn nicht auf die Jetty bekommen hätte. Der Typ hat das tote Ding dann auch noch ganz stolz ins Hostel geschleppt und ausgenommen. Chris meinte, das kann man bei so einem Ding nicht mehr ausnehmen sondern nur noch schlachten nennen. Soll wohl aber ganz gut geschmeckt haben.

Jedenfalls sind wir wieder gesund und munter auf dem Caravanpark angekommen und gleich mal mit unseren Fischen beim Nachbarn von Johanna und René vorbei gefahren. Der hatte uns nämlich angeboten, dass seine Frau uns die Fische filetieren kann. Seine Frau sah zwar nicht so aus, als ob sie Lust dazu hätte, aber wenn ER es sagt. Sie hat uns dann gezeigt, wie man die Fische filetiert und es sah sooo einfach aus. Sie hat die Fische vorher nicht mal ausgenommen. Einfach auf beiden Seiten die Filets und danach noch die Haut abgeschnitten. An der Haut war echt kein Zipfel Fleisch mehr. Sie hatte es echt drauf und das nächste Mal versuchen wir es selbst. Falls ich noch mal mit meinen Eltern nach Norwegen angeln fahre, kann ich dann meinem Papa dann zeigen, wie man Fische filetiert.

Nachdem wir uns den Fischgestank und das Blut vom Körper gewaschen und die Klamotten in die Waschmaschine geschmissen hatten, haben wir uns den Fisch, zusammen mit Johanna und René, auf dem BBQ in der Camp-Kitchen gebraten. Dazu gab es Bratkartoffeln und Mais. Sehr lecker. Wir holen uns den Mais jetzt immer direkt vom Feld und Tomaten bekommen wir kostenlos von Johanna und René. Jetzt beginnt auch die Wassermelonenzeit und auch die können wir uns selbst pflücken. So eine große Melone kostet schon mal 25A$ im Supermarkt. Die würden wir uns so wohl nicht kaufen. Dabei muss man aber aufpassen, dass man nicht erwischt wird. Uns wurde nämlich erzählt, dass ein Farmer seine Pump-Gun rausgeholt hat, nur um mal eben zwei Schlangen auf dem Feld abzuknallen.

Samstagabend kamen Lu und Paolo zum Kochen vorbei – es gab Thunfisch-Nudeln. Wobei uns unsere Thunfisch-Nudeln besser schmecken. Dabei sollten Italiener das doch mit der Pasta drauf haben. So denken wohl viele, weil Paolo in Sydney auch als Pizzabäcker arbeiten konnte, obwohl er noch nie eine Pizza gemacht hat – er ist eben Italiener, die können schon Pizza backen und Pasta machen, bevor sie laufen können.

Ansonsten ist hier nicht viel los. Wir können uns echt nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die schon ihr ganzes Leben hier wohnen und noch nie wirklich raus gekommen sind. Dabei ist der Ort hier noch relativ groß. Es gibt ja noch abgeschiedenere und einsamere Orte in Australien. Wenn hier Leute ernsthaft krank sind, müssen sie im Krankenhaus in Perth behandelt werden. Und wenn man dann für mehrere Wochen oder sogar Monate ins Krankenhaus muss, kann man sicher nicht oft mit Krankenbesuchen rechnen. Man kann eben nicht mal schnell 1.000km nach Perth fahren.

Zwei Abende im Auto haben wir damit verbracht, Beatsteaks (Berliner Band, falls es wirklich jemanden gibt, der sie nicht kennt) DVDs zu schauen. Johanna und René sind Fans von denen und haben uns die DVDs ausgeliehen. Beatsteaks „Der Film“ ist echt zu empfehlen – sehr interessant und wir waren nur am Feiern. Außerdem war es schön mal wieder den Berliner Dialekt zu hören.

Heute haben wir festgestellt, dass es für uns das Normalste auf der ganzen Welt geworden ist, die ganze Zeit im Auto zu schlafen und vom Bett aus ins Grüne und die Sterne zu gucken. Das wird uns in Deutschland bestimmt ab und zu fehlen.

Wir haben jetzt übrigens unseren Rückflugtermin: am 05. Juni 2009, um 06:00 morgens, landen wir wieder in Frankfurt. Ein bisschen freuen wir uns ja schon wieder auf Good Old Germany – am meisten natürlich auf die Family!