Juli 2008


Freitag, 04. Juli 2008

Byron Bay, Surfers Paradise, Brisbane und erste Autopanne

Noch kurz ein absolut wichtiger Nachtrag zu Crescent Head: ich wurde am Strand von einem unbekannten Wesen in den Zeh gestochen. Als wir am Strand (der Sand quietscht hier übrigens unter den Füßen) lang gelaufen sind, hat mich irgendwas gestochen und mein ganzer Fuß hat höllisch wehgetan. Reflexartig habe ich dann das weiße Fusselding, was noch an meinem Zeh hing, raus gezogen und ohne zu gucken was es war, weggeschmissen. Zum Glück hatten wir keinen Handyempfang, sonst hätte ich wahrscheinlich den Notarzt gerufen und schon mal angefangen den Zeh zu amputieren. Weiß ich was hier giftig und tödlich ist und was nicht? Naja ich bin dann zum Zelt gehumpelt und hab den Fuß unter kaltes Wasser gehalten. Wurde dann auch langsam besser. Außerdem wurde ich hier schon von einigen Ameisen angepisst und hatte früh ab und zu komische rote Punkte auf der Haut. Ach ja, so ein Leben in der Natur ist schon was Schönes. Chris hat bis jetzt noch keine Probleme damit.

Von Crescent Head sind wir am Montag weiter Richtung Norden, immer den Pacific Highway lang, gefahren und abends dann in Byron Bay angekommen. Auf dem Weg dorthin haben wir uns in Coffs Harbour noch zwei sich selbst aufblasende Isomatten gekauft, die wir noch unter unsere Matratze im Auto gelegt haben. Jetzt ist unser Bett richtig gemütlich. In Ballina haben wir uns ein neues großes Zelt gekauft (3,30 x 3,30 x 2,00). Das ist echt praktisch, weil wir so ein paar Sachen im Zelt lagern können und auch länger draußen sitzen können. Außerdem schützt es vor der Sonne.

Der Campingplatz in Byron Bay war nicht besonders schön. Wir sind dort gegen 16:00 angekommen, haben unseren Platz markiert und sind dann in die Stadt einkaufen gefahren. Als wir wieder kamen, war es schon wieder dunkel, so dass wir das Zelt noch gar nicht aufbauen konnten. Am Morgen wurden wir dann noch von Truthähnen überfallen, die unseren Campingstuhl umgeschmissen und den ganzen Müll über die angrenzenden Plätze verteilt haben.

Danach wollten wir dann weiter Richtung Surfers Paradise und uns vorher noch den berühmten Leuchtturm von Byron Bay und den östlichsten Punkt auf dem australischen Festland anschauen. Ich war also auschecken und Chris ist mit dem Auto schon ein Stück vorgefahren, weil er an der Rezeption nicht parken konnte. Als ich dann in Richtung Auto gelaufen bin, stand es Mitten auf der Straße und hat total aus dem Auspuff gequalmt. Ich dachte nur Sch... das war’s, wir müssen den Rest des Jahres in Byron Bay bleiben und noch Geld fürs Verschrotten vom Auto zahlen. Das Problem war, dass der Motor einfach ausging und sich das Gas dann auch noch im Parkmodus selbstständig gemacht hat und erstmal ordentlich aufgedreht hat. Gut... Also die Karre erstmal von der Straße schieben. Kein Ding. Chris lenkt und schiebt vorne, ich schiebe hinten. Ja Ja, schon gut... man kann’s ja mal probieren. Also Parken raus und..... scheeeeiiiiiiße... das Auto rollt rückwärts... keine Chance irgendwas dagegen zu tun. Mit einem Sprung ins Auto hat Chris versucht ihn mit der Handbremse zum Stehen zu bringen, ohne Erfolg. Ich wurde fast überrollt und hab, vielleicht ein bisschen hysterisch, geschrieen: PARKEN! PARKEN! (Wir haben ein Automatikauto). OK. Das ging gerade noch mal gut. Ich habe das Auto schon auf die nächste Kreuzung rollen sehen. Hoffentlich kriege ich meine Jeans wieder sauber. Habe ja nur zwei mit und das war noch die bessere von beiden. Jedenfalls haben das 5 andere Backpacker in einem Kombi beobachtet und uns gleich Hilfe angeboten. Wir haben also alle versucht, das Auto von der Straße zu schieben. So ein vollgepackter Pajero ist aber einfach zu schwer. Zum Glück kam dann gerade die Polizei vorbei. Die haben aber nur geguckt und konnten nicht viel machen. Sie haben uns aber die Nummer vom NRMA gegeben (so was wie der australische ADAC). Dort haben wir dann angerufen und der Typ am anderen Ende war nicht sehr freundlich. Er wollte unsere Mitgliedsnummer haben und meinte, wenn wir nicht Mitglied sind, können wir für 310 A$ Mitglied werden. Als wir gefragt haben, wie teuer es denn wird, wenn wir nicht Mitglied werden, hat er uns zum nächsten NRMA-Mechaniker in der Nähe verbunden. Der war dann super nett und meinte es würde 100 A$ kosten. Wir haben ihm also erklärt wo wir stehen und 2 Minuten später war er dann schon da. Er hat dann in den Motorraum geguckt und als wir total ängstlich gefragt haben, ob es was Ernstes sei, hat er nur gelacht und gemeint er wüsste nicht woran es gelegen hat, aber jetzt fährt er wieder. Der Motor war wohl irgendwie mit Benzin geflutet. Außerdem hatte unser Schock auch etwas damit zu tun. Der Mechaniker hatte mal bei Mitsubishi gearbeitet und gemeint, er hat noch nie einen Schock an einem Benziner Pajero gesehen. Wir sollen den am besten rein schieben und nicht mehr anfassen. Außerdem hat er uns erzählt, dass eine Mitgliedschaft beim NRMA nur ca. 100 A$ kostet. Diese wollten wir dann am selben Tag noch abschließen. Aber erstmal den Leuchttum angucken.

Der Weg zum Leuchtturm ist echt schön. Direkt an der Küste und den Klippen lang, vorbei an vielen tropischen Pflanzen. Der Leuchtturm an sich ist auch ganz hübsch. Das geilste aber waren die Wale und Delfine, die wir dort, am Cape Byron, gesehen haben. Eigentlich hat man nur den Wasserstrahl und das Wasser spritzen gesehen, aber mit dem Camcorder konnten wir ein ganzes Stück ran zoomen. Leider haben wir keine Fotos machen können. Dafür waren sie dann doch zu weit weg. Dafür aber von den Delfinen.

Der östlichste Punkt vom australischen Festland ist auch am Cape Byron. Mussten wir natürlich mitnehmen.

Nachdem wir das Kulturprogramm beendet hatten, wollten wir nur noch schnell beim NRMA ran und dann weiter in den Norden. Also haben wir beim NRMA geparkt und eine Versicherung für 88 A$ (zum Glück sind wir schon – ich fast – 25) abgeschlossen. Beim Ausparken und raus fahren, ist der Motor wieder einfach ausgegangen. Nach kurzem Überlegen haben wir uns dazu entschlossen, das Auto noch mal checken zu lassen. Immerhin waren wir jetzt seit 5 Minuten Mitglied beim NRMA und die Werkstatt war gleich neben an. Der Typ meinte es würde eine Weile dauern. Wir haben ihm dann erklärt, dass wir in dem Auto schlafen. Darauf er: „No worries, mates... wenn er heute nicht fertig wird, könnt ihr hier unter dem Carport pennen.“ Na sehr schön. Direkt hinter einer Tankstelle... wie romantisch. Es war da gerade 11:00. Gegen 15:00 sollten wir uns noch mal melden. Also haben wir ein paar Sachen aus dem Auto geholt und sind dann in die Stadt gegangen.

Byron Bay ist eigentlich ganz hübsch. Viele kleine alte Häuser und schöne Strände. Irgendwie eine Hippie Stadt, nur mit zu vielen Touristen. Zur Feier des Tages haben wir uns dann ein schönes Mittagessen in einem Restaurant am Strand gegönnt. Endlich Fisch. War sehr lecker!!! Übrigens bekommt man in vielen Restaurants in Australien keinen Alkohol. Wenn man welchen trinken möchte, müsste man ihn sich in einem Bottle Shop um die Ecke kaufen. Auch Alkoholtrinken auf der Straße ist hier verboten und wenn, dann nur in diesen braunen Papiertüten. Man braucht nicht lange, um die Einkaufstraßen von Byron Bay abzuklappern und deshalb saßen wir dann noch eine ganze Weile am Strand. Das wurde uns dann aber zu heiß und so sind wir wieder zur Werkstatt (heißt hier übrigens workshop) gelaufen – es war ja auch schon fast um drei. Bei der Werkstatt hieß es dann wieder: alles ok mit dem Auto. Der Mechaniker hat ein paar Sachen am Motor nachgestellt und wir mussten nicht mal was zahlen. Komisch. Naja mal gucken wie weit wir jetzt kommen. Wahrscheinlich dürfen wir einfach nicht so vorsichtig mit dem Auto sein und müssen auch mal richtig Gas geben.

Da es im Moment ja schon um 17:00 dunkel ist, haben wir uns dazu entschieden ca. 60km weiter an der Küste hoch zu fahren und den nächst besten Campingplatz zu nehmen, um unser Zelt noch aufbauen zu können. So sind wir dann nach Kingscliff gekommen. Wie fast alle Orte, die wir bisher hier an der Küste gesehen haben, eher ein kleines Nest. Aber ganz gemütlich und der Campingplatz war auch schön, direkt am Meer.

Unser neues Zelt aufzubauen war gar nicht so leicht. Das Prinzip war schon klar – wie ein Igluzelt, nur mit vier Stangen. Als wir alle vier Stangen durchgefädelt hatten, wollten wir das Zelt aufstellen. Sah auch am Anfang ganz gut aus, aber dann ist es einfach in sich zusammengefallen. Sah bestimmt total blöd aus. Jedenfalls hat ein älteres Seniorenpärchen, das gerade vorbei gelaufen kam, gelacht und uns Hilfe angeboten. Die haben wir natürlich dankend angenommen und gelernt, dass man zuerst die Heringe in den Boden rammen sollte, bevor man versucht das Zelt aufzustellen. Mit der Hilfe von den Beiden haben wir es dann in 10 Minuten geschafft. Das Überzelt haben wir dann alleine hinbekommen. Am nächsten Tag kamen die Beiden noch mal vorbei und waren ganz stolz auf uns ;) Die Australier sind schon echt nett. Wenn man hier mit einer Straßenkarte rum steht und nach dem richtigen Weg guckt, dauert es auch nicht lange bis jemand kommt und einem Hilfe anbietet.

Von Kingscliff aus sind wir dann am Donnerstag weiter den Gold Coast Highway, über Palm Beach, Miami und Mermaid Beach nach Surfers Paradise gefahren. Die Gold Coast ist einfach nur das Mallorca von Australien. Hotels, Hochhäuser, Strand, Shoppingcenter, viel Verkehr und viel zu viele Menschen. Zum Shoppen und Feiern ist es aber perfekt. Wir sind trotzdem, nachdem wir kurz am Strand waren, direkt weiter Richtung Brisbane gefahren. Die Vororte von Brisbane sind extrem unübersichtlich und schlecht ausgeschildert. Wir wollten auf den Campingplatz in Ashgrove, weil der nur 4km vom City Centre entfernt ist und es auch eine Busanbindung gibt. Bis wir den aber gefunden hatten, vergingen bestimmt 2 Stunden mit 3 mal im Kreis fahren und unsren armen Pajero die wirklich steilen Hügel hoch und runter quälen. Zum Glück hat Chris das mit dem Linksverkehr schon richtig gut im Griff. Als wir den Campingplatz dann endlich gefunden hatten, stand am Eingang direkt ein Schild: Keine Zeltstellplätze mehr verfügbar. Das hätte jetzt noch gefehlt. Wir waren schon echt angepisst vom rumgurken. Wir haben dann nachgefragt, ob wir denn einfach im Auto, ohne Zelt, schlafen können und zum Glück noch einen Wohnwagenstellplatz bekommen. Auf diesem Campingplatz sitzen wir jetzt auch im Moment. Die haben hier über den ganzen Platz verteilt WLAN. Da haben wir uns gleich eine Flatrate für 24 Stunden geholt. Bekommen haben wir einen Code für 72 Stunden. COOOOL!!! Ansonsten ist der Platz auch sehr einfach (zumindest für die 30A$ die man hier bezahlt). Außerdem kommt noch dazu, dass wir heute Morgen kalt duschen mussten. In Brisbane herrscht im Moment Wasserknappheit. Deshalb soll jeder hier nur 3 Minuten duschen und das Wasser in einem Eimer auffangen, das beim Warten auf warmes Wasser raus läuft. Blöd nur, dass das Wasser nicht warm wurde. So duscht echt keiner länger als 3 Minuten. Immer, wenn wieder eine Dusche anging, hat man „oh man ist das kalt Geräusche“ gehört.

Heute sind wir mit dem Bus vom Campingplatz in die Stadt gefahren. Hat nicht mal 10 Minuten gedauert. Brisbane ist auf den ersten Blick nicht wirklich schön. Der Brisbane River ist total braun und die Stadt sah irgendwie voll grau aus – was vielleicht auch am Wetter gelegen haben könnte. Wir hatten hier unsere ersten dicken Wolken und ab und zu ein bisschen Nieselregen. Die Shoppingstraßen sind echt geil. Coole Läden und Cafés. An der Southbank, auf der anderen Seite des Brisbane Rivers, gibt es eine echt schöne Promenade. Hm... ansonsten gibt es nicht so viel zu erzählen. Morgen werden wir uns noch das Pine Lane Koala Sanctuary, 11km südlich von Brisbane, anschauen. Das ist wohl das größte Koalaschutzgebiet weltweit. Danach geht es dann weiter Richtung Noosa.


Mittwoch, 08. Juli 2008

Lone Pine Koalapark & Australia Zoo,
Noosa / Coolum Beach & Rainbow Beach

Ich will nach Hause... zu meiner Mama... in eine warme Wanne und ein trockenes Bett *heul*

Es regnet jetzt seit 4 Tagen und langsam macht das Campen bei dem Wetter keinen Spaß mehr. Alles ist nass und matschig.

Als wir letzten Samstag von Brisbane aus in den Lone Pine Koalapark gefahren sind, war es zwar, wie am Tag davor auch, total grau, aber es hatte noch nicht geregnet. So kamen wir im Trockenen im Koalapark an und haben innerhalb von 1 ½ Stunden alles gesehen, was man gesehen haben muss. Der Park ist zwar nicht sehr groß, aber es lohnt sich trotzdem, ihn zu besuchen. Ist ja schließlich das größte Koalaschutzgebiet weltweit. Es gibt dort auch zahme Kangaroos und man kann ein Bild mit einem Koala machen. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen so ein Bild nicht zu machen, weil das den Koalas bestimmt nicht so viel Spaß macht, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Übrigens, Koalas stinken!

Eine knappe Stunde nachdem wir in den Park kamen, wurde auch eine ganze Busladung Asiaten dorthin gekarrt, die dann alle wie Ameisen da rum gewuselt sind. Als es dann auch noch in Strömen anfing zu regnen, war das der perfekte Zeitpunkt um zu Gehen.

Die ganze Fahrt nach Noosa hat es tierisch geregnet und wir haben bemerkt, dass unser Dachfenster nicht dicht ist und nach einer Weile hatten wir einen ziemlich großen nassen Fleck am Dach. Urs und Sonja hatten das zwar angedeutet, aber so schlimm hatte es sich bei den Beiden natürlich nicht angehört. Wir haben dafür aber jetzt eine ganz gute provisorische Lösung gefunden und legen einfach immer wenn wir stehen eine Plane drüber - quasi ein mobiler Carport.

Bisher haben wir in fast allen Reiseführern gelesen, dass Noosa besonders schön sein soll. Wir fanden es ganz nett und ein bisschen zu touristisch. Wenn das Wetter besser gewesen wäre, hätte das vielleicht auch anders ausgesehen. Da im Moment ja Ferien sind, waren die Campingplätze direkt in Noosa ziemlich voll und auch besonders teuer. Deshalb sind wir wieder ein Stück an der Küste zurück nach Coolum Beach gefahren. Der Campingplatz dort war auch nicht so viel billiger und nicht besonders sauber, aber wir hatten keine Lust mehr einen anderen zu suchen.

Es hatte immer noch in Strömen geregnet und da kein Ende in Sicht war und wir nicht ewig im Auto rum sitzen wollten, haben wir beschlossen, das Zelt im Regen aufzubauen – wir wussten ja jetzt wie es geht. Nach circa 20 Minuten stand das Zelt dann auch und wir waren bis auf die Unterwäsche nass und extrem angepisst. Sah bestimmt lustig aus wie wir da total nass im strömenden Regen durch die Pfützen um das Zelt gehüpft sind und uns gegenseitig angezickt haben. Nachdem wir das Zelt trocken gewischt und die wichtigsten Sachen aus dem Auto rein geholt hatten, waren wir zwar ein bisschen erleichtert, aber die Stimmung wurde nicht besser. Erst nachdem wir eine halbe Stunde heiß duschen waren und eine riesen Portion Nudeln gegessen hatten, ging es uns ein bisschen besser.

Am Sonntag war dann mein Geburtstag und das Wetter sah noch nicht besser aus. Ich habe sogar ein Geschenk von meinen Eltern bekommen, dass Chris die ganze Zeit in seinem Rucksack hatte - eine super schöne DVD mit Bildern und Videogrüßen von der Family.

Nach dem Frühstück bei McDoof sind wir in den Australia Zoo gefahren. Das ist der Zoo von Steve Irwin, dem mehr oder weniger bekannten Crocodile Hunter, der 2006 bei Dreharbeiten von einem Stachelrochen ins Herz gestochen und getötet wurde. Der Zoo wird jetzt von seiner Frau Terri geführt, die jetzt auch selbst die Krokodilshow dort macht. Der Eintritt ist ziemlich teuer (52 A$ pro Person), aber der Zoo ist wirklich schön angelegt und sehr sehenswert. Die Shows sind sehr informativ und man lernt so wichtige Sachen wie: „Crocs rule!“. Kangaroos kann man dort natürlich auch füttern und auch ein Foto mit einem Koala machen lassen. Ansonsten ist der Zoo sehr auf Kommerz gemacht. Man kann quasi alles mit den Bilder von Steve, Terri, Bindi und Robert Irwin drauf kaufen und muss auch einen Shop durchqueren, bevor man den Park verlässt. Vor jeder Show werden ein Irwin-Familienfoto und eine Gepardenführung versteigert.

Mit dem Wetter hatten wir an diesem Tag ein bisschen Glück, denn es fing erst richtig an zu regnen, als wir wieder im Auto saßen – war ja auch mein Geburtstag. Zum Glück ist es nicht so kalt hier.

Wieder im Zelt in Coolum Beach haben wir noch versucht unsere Wäsche trocken zu kriegen und ein paar deutsche Backpacker aus Hamburg getroffen. Die haben sich einen alten, zerbeulten und rostigen Van gekauft, der einen Riss über die komplette Frontscheibe hat. Deshalb wurden sie auch, auf dem Weg von Sydney nach Coolum Beach, zweimal von der Polizei angehalten und kontrolliert. Als richtige Backpacker hatten sie natürlich einen ausreichenden Vorrat an Bier da und wollten wissen, ob wir hier schon feiern waren. Wir haben uns nur angeguckt und gedacht: Feiern? In Coolum Beach? – Wir haben den Beiden dann erklärt, dass sie dafür schon die 20 Minuten nach Noosa fahren müssten. In Coolum Beach selbst ist echt nicht viel los. Am nächsten Tag haben wir sie dann auch wirklich in Noosa wieder getroffen.

Weil man hier so gut angeln kann und wir uns so kostenloses Essen fangen können (theoretisch), haben wir uns in Coolum Beach auch noch eine Angel gekauft und hoffen, dass es jetzt öfter Fisch gibt. Wir müssen nur noch raus kriegen, welche Fische man hier essen kann und welche nicht.

Eigentlich wollten wir ja schon längst auf Fraser Island sein, aber bei dem Wetter hatte das ja keinen Sinn. Am Dienstag hatte der Wetterbericht für die nächsten Tage besseres Wetter angesagt und so haben wir unser Zelt in Coolum Beach abgebaut, natürlich wieder im Regen, und sind dann weiter nach Rainbow Beach gefahren, weil man von dort aus mit der Fähre nach Fraser Island kommt. Eigentlich wollten wir von Noosa bis Rainbow Beach einen Allrad Track am Meer lang fahren. Das ging bei dem Wetter aber leider nicht und so haben wir uns für die befestigte Straße entschieden. Der Weg nach Rainbow Beach war aber auch sehr schön. Wir hätten nie gedacht, dass Australien so hügelig ist. Die Strecke war wenig befahren und ging viele Kilometer nur gerade aus. Chris hat dabei den Tempomat für sich entdeckt. In Deutschland würde man wahrscheinlich kein 16 Jahre altes Auto mit Tempomat und Automatikgetriebe finden. Benzin ist hier übrigens richtig günstig, im Vergleich zu Deutschland. 1 Liter Benzin kostet nicht mal einen Euro und Diesel vielleicht knapp über einen Euro.

Beim Zeltabbauen ist diesmal Chris von etwas gestochen worden. Es waren zwei Einstichlöcher am Knöchel zu sehen, die echt wie ein Schlangenbiss aussahen. Hätte auch gut möglich sein können, weil er sein Bein gerade irgendwie unter der Zeltplane hatte. Dick geworden sind die zwei Punkte dann auch noch. Nach einer Weile, als Chris einfach nicht umkippen wollte, haben wir uns dann aber entschieden, dass es zwei gut platzierte Moskitostiche sind, weil man einen Schlangenbiss bestimmt richtig gemerkt hätte.

Dienstag Nachmittag sind wir in Rainbow Beach auf einem sehr schönen Campingplatz angekommen. Der war richtig sauber, mit Musik auf den Klos und in den Duschen, an einem Bootsanlegeplatz gelegen, an dem man auch angeln konnte und von sehr netten Leuten betrieben, die mich immer Darling genannt haben.

Diesmal hat es nur ein bisschen genieselt, als wir das Zelt aufgebaut haben. Was für ein Glück. Die Sachen waren natürlich immer noch nass.

Am Abend haben wir dann das erste Mal die Angel ausprobiert. Nachdem wir alle Gummifische und Blinker durch hatten und nach einer Stunde komplett Ebbe war, haben wir eingesehen, dass wir den falschen Zeitpunkt abgepasst hatten. Gut, es gab also am Dienstag noch keinen Fisch. Dafür haben wir aber den geilsten Sonnenuntergang erlebt, den wir beide je gesehen haben. Der Himmel war so extrem rot, das sah echt unnatürlich aus. Und dazu die Stille am Meer und die komischen Vogelrufe ab und zu, das war echt Gänsehaut pur.

Heute, Mittwoch, als die Flut kam, haben wir dann den nächsten Angelversuch gestartet und waren sicher, dass es diesmal klappt. Hat es aber nicht. Am Abend wollten wir es dann noch mal mit Würmern probieren, so wie es die Einheimischen hier machen. Die Würmer sehen hier irgendwie ekelig aus. Wir hatten dann auch wirklich einen Fisch dran, leider war der aber noch fast durchsichtig. Ein anderer Angler, der es für den Tag aufgegeben hatte, hat uns dann noch eine Tüte Garnelen gegeben, die wir dann auch noch aufgebraucht haben - ohne Erfolg. Naja, so gab es wieder Nudeln und bei den Anderen hat der Fisch gebrutzelt und echt lecker gerochen.

Das Wetter war heute übrigens wieder richtig gut. So konnten wir dann auch unsere komplette Wäsche waschen und vor allem alles trocknen.

Morgen, Donnerstag, geht es dann nach weiter nach Fraser Island, wenn das Wetter sich hält.


Montag, 14. Juli 2008

Fraser Island

Mittwoch hatten wir uns in Rainbow Beach unsere Genehmigung und den Campingschein für Fraser Island geholt. Die Permit hat 36,00 A$ gekostet und die Campingerlaubnis 5,00 A$ pro Person und Nacht – für Bushcamping natürlich. Das heißt 3 Tage keine Dusche und nur Plumpsklos, wenn man in den nächsten „Ort“ fährt. Aber dafür direkt mit Blick auf’s Meer, ganz alleine am Strand schlafen und den Sonnenauf- und Sonnenuntergang vom Bett aus beobachten.

Donnerstag früh sind wir dann gegen 06:00 aufgestanden, um mit der Fähre gegen 07:00 von Inskip Point aus nach Fraser Island zu fahren. Der Seventy Mile Beach ist nur bei Ebbe komplett passierbar und so hatten wir dann genug Zeit, auch wenn wir stecken bleiben würden. Sonja und Urs haben uns erzählt, dass sie sich gleich am ersten Tag festgefahren haben.

Der Weg zur Fähre ging die letzten 500 Meter direkt über den tiefen, feinen Sand und wir mussten das erste Mal den 4WD einschalten (von da an hatten wir ihn dann die ganze Zeit drin). Keine Ahnung, ob schon mal jemand auf dem Weg zur Fähre stecken geblieben ist, wir hatten jedenfalls ganz schön zu kämpfen.

Auf der Fähre haben wir ein paar Fotos gemacht und gefilmt. Ein Fährtyp kam dann an und meinte, wir können auch auf die Brücke gehen und dort filmen. Na perfekt, ab auf die Brücke! Chris ist unten im Auto geblieben, weil er auf seiner Seite so schlecht aus dem Auto raus kam. Auf der Hälfte der Treppe habe ich echt überlegt wieder umzudrehen. Das Boot hat so geschaukelt und die Stangen vom Geländer waren ziemlich weit auseinander, da hätte man bestimmt durchrutschen können. Ein bisschen schlecht ist mir ja schon geworden und ich hab mich krampfhaft am Geländer festgehalten. Als ich dann endlich oben war, kam der Fährtyp hinter her und hat nach unserem Ticket gefragt. Als der Typ vorher schon Chris gefragt hatte, ob wir schon ein Ticket haben, hat er nur „my girlfriend hat sie“ geantwortet. Girlfriend hat der Typ wohl verstanden und kam dann die Treppe hoch zu mir, um nach unserem Ticket zu fragen. Da wir noch kein Ticket hatten, musste ich mit dem Typ die steile Treppe wieder runter. Na das hatte sich ja gelohnt, noch mal wäre ich die Treppe nämlich nicht hoch gegangen. Das Ticket für die Fähre hat 90A$ gekostet. Das schien uns viel zu viel für 10 Minuten Fahrt zu sein und deshalb haben wir ihm einen 20A$ Schein gegeben, weil wir dachten er meinte 19A$. Als er den Schein dann angeguckt und auf mehr gewartet hat, haben wir uns schon ein bisschen erschrocken. Naja 90A$ für zwei Personen hin und zurück geht ja an sich noch, aber wir wollten ja in Kingfisher Bay mit der Fähre nach Hervey Bay zurück fahren. Dass das nicht klappt, wussten wir da ja noch nicht.

Auf Fraser Island sind wir nach den Anderen von der Fähre gefahren und nach ein paar Minuten waren die nicht mehr zu sehen und wir sind ganz alleine am Strand gefahren. Das war echt geil – auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite nur Strand und Dünen. Aufregend war es aber auch ganz schön, wir sind ein paar Mal ganz schön weggerutscht und auf dem Strand waren einige Auswaschungen (Wasser, das von einem See im Landesinneren ins Meer fließt und dabei Rillen im Sand macht). Teilweise waren diese Auswaschungen 20cm tief und durch die Sandkanten ist man ganz schön gesprungen. Speedlimit am Strand ist übrigens 80km/h. Meist kann man die aber nicht fahren. Wenn man in Spurrillen von anderen Autos ist, hat man auch kaum noch eine Chance viel zu lenken.

Als wir uns die Permit geholt haben, haben wir auch gleich einen Stapel Infomaterial bekommen. Zum Beispiel: sicheres Fahren im Sand und auf Offroadstrecken, Müll und Bushtoilette, Zeiten von Ebbe und Flut und eine Dingowarnung. In letzter Zeit ist es auf Fraser Island wohl öfter zu Zwischenfällen mit Dingos gekommen. Ein Kind wurde auch schon von einem Dingo getötet. Die offiziellen Campingplätze und „Orte“ auf Fraser Island sind auch alle eingezäunt. In der Broschüre standen Regeln, wie man sich verhalten soll, wenn man einem Dingo begegnet und das man seinen Müll immer verschließen soll. Außerdem soll man selbst ganz kurze Wege nie alleine gehen und immer in kleinen Gruppen unterwegs sein. Warnschilder standen auch überall rum. Auf einem Stand sogar: „Dingos are able to kill humans.“ Das hat uns irgendwie schon Angst gemacht, vor allem weil wir ja alleine am Strand schlafen. Na gut im Auto, aber wenn man mal aufs „Klo“ muss...

Überhaupt sind Notrufe auf Fraser Island schwierig. Wir hatten natürlich keinen Handyempfang (haben wir hier nur in den größeren Orten) und Telefone gab es auch nur in den „Orten“. Die waren aber einige Kilometer auseinander und am Strand braucht man eine Weile, um von A nach B zu kommen. So was wie eine Ambulance gab es auch nur in einem der Orte und das auch nur zu Ferienzeiten.

Nach ca. 25 Kilometern auf dem Seventy Mile Beach haben wir erstmal angehalten und gefrühstückt. Danach sind wir dann den Lake Wabby Walking Track lang gelaufen. Wir waren dort ganz alleine und ich glaube nicht, dass zwei Leute schon als kleine Gruppe gelten. Der 2,4 km lange sandige Weg ging durch Wald und weit und breit war niemand zu sehen oder zu hören. Nur ein paar komische Geräusche von Vögeln (nehmen wir mal an) waren zu hören. Nach dem ersten Kilometer haben wir auch kurz überlegt, ob wir wieder umdrehen und warten bis die Nächsten den Weg gehen und dann einfach da hinter her laufen. Da wir nun aber schon fast die Hälfte geschafft hatten, sind wir dann weiter gelaufen und nach geschätzten 1 ½ Stunden am Lake Wabby angekommen. Der See ist echt klar und man kann die großen Fische darin beobachten. Irgendwann wird’s den Lake Wabby bestimmt nicht mehr geben, weil die Sanddüne jedes Jahr ein Stück mehr in den See fließt und er so immer kleiner wird. Am See waren auch schon Leute und die 2,4 km zurück sind wir dann hinter einer kleinen Gruppe gelaufen. Der Weg an sich ist übrigens auch echt empfehlenswert - viele verschiedene Baumarten und Pflanzen und auch ziemlich abwechslungsreich.

Unser Camp haben wir auf einer Düne mit Blick auf’s Meer aufgebaut. Chris hat geangelt und auch zwei Fische gefangen. Das waren zwei kleine Breams (haben den deutschen Namen noch nicht gefunden). Laut unserem Fishing Guide ist das Fleisch von denen sehr lecker. Leider waren die Beiden ein bisschen klein und so haben wir sie wieder ins Wasser geworfen. Also gab es an dem Nachmittag dann Bratkartoffeln. Die waren aber auch sehr lecker. 17:00 ist es auch auf Fraser Island wieder dunkel und da kein offenes Feuer erlaubt ist, waren wir gegen 19:00 schon wieder im Bett und haben Ken Follet weitergehört.

Am nächsten Tag sind wir einen Scenic Drive gefahren und wollten zum Lake McKenzie. Der rote Scenic Drive war wohl noch der Einfachste. Die Anderen waren nur für erfahrene Fahrer empfehlenswert. Nachdem wir den roten gefahren sind, haben wir uns dann auch entschieden, keinen anderen mehr zu fahren. Das wollten wir unserem armen Pajero (olle Manny) nicht antun. Wir wollten ihn ja in einem Stück wieder mit auf’s Festland nehmen. Die Strecke war teilweise echt hart und wir haben ein paar Mal ordentlich aufgesetzt. Die Sandpisten gehen ja immer noch. Man eiert zwar hin und her und denkt, dass man sich gleich festfährt, aber das schadet dem Auto ja nicht wirklich. Auf den krassen Streckenabschnitten sind wir über teilweise 50cm hohe Wurzeln und die krassesten Löcher gefahren. Teilweise standen nicht alle 4 Räder auf dem Boden und nach einer Weile hatten wir beide Kopf- und Nackenschmerzen. Wir waren bestimmt kurz vor einem Schütteltrauma.

Der Lake McKenzie ist der bekannteste See auf Fraser Island und schon um einiges größer als der Lake Wabby. Insgesamt hat uns aber der Lake Wabby besser gefallen. Auf dem Weg zurück wollten wir noch einen ca. 1km langen Weg zum Lake Wabby Lookout laufen. Nach ein paar Metern haben wir aber auf dem Weg einen Dingo gesehen, der in unsere Richtung gelaufen kam und sind dann lieber wieder zurück zum Auto gegangen.

Richtig reinrassige Dingos gibt es wohl nur noch auf Fraser Island. Die Dingos auf dem Festland sind alle irgendwie mit dem normalen Haushund gekreuzt. Aggressiv kamen uns die Dingos nicht vor und wenn man sich an die Regeln hält, lassen sie einen auch in Ruhe.

Den Rest vom Tag haben wir relaxed und geangelt. Aber wieder mit wenig Erfolg. Noch hat sich die Angel nicht rentiert.

Am dritten Tag sind wir dann zum Sonnenaufgang zum Wrack der S.S. Maheno gefahren und haben dort gefrühstückt. Der japanische Luxusliner ist am 08. Juli 1935 gesunken und wurde damals von den Bewohnern der Insel für Feste genutzt. Im 2. Weltkrieg wurde das Wrack von der australischen Luftwaffe als Übungsziel benutzt. Heute kann man nur noch das oberste Deck des Schiffs sehen.

Nachdem wir uns die Pinnacles und Eli Creek angeguckt haben, wollten wir dann quer durch die Insel nach Kingfisher Bay auf der Westseite der Insel fahren und von dort mit der Fähre nach Hervey Bay übersetzen. Wir haben für den Weg ca. 2 Stunden gebraucht und Spaß hat das Gewackel irgendwann echt nicht mehr gemacht. In Kingfisher Bay angekommen, sind wir gleich erstmal auf den Anlegesteg der Fähre gefahren. Nachdem uns ein Typ hinter her gebrüllt hat und wir bemerkten, dass gerade komplett Ebbe war und für die nächsten Stunden wohl kein Schiff fährt, haben wir uns erkundigt, wann denn die nächste Fähre abfährt. Der nette Typ von der Fährgesellschaft hat uns dann darüber aufgeklärt, dass die nächste Fähre in ca. 4 Stunden geht und diese komplett ausgebucht ist. Überhaupt braucht man am Weststrand eine Reservierung, wenn man von dort von der Insel runter möchte. Na schöne Sch... also den ganzen Weg wieder zurück.

Als wir dann endlich wieder am östlichen Strand waren, hatten wir wieder voll die Kopfschmerzen und noch ein ganzes Ende am Strand bis zur Fähre vor uns. Nach noch mal 1 ½ Stunden Fahrt am Strand haben wir die Fähre dann erreicht. Das war ziemlich knapp. An einigen Stellen kam die Flut schon echt weit ans Ufer. An einer Stelle war wieder eine richtig tiefe Auswaschung, die man nur direkt am Meer passieren konnte. Blöderweise kam gerade eine Welle und hat uns voll erwischt. Das komplette Auto war voller Wasser (außen natürlich).

Zum Glück hatten wir ja ein Returnticket bekommen. So mussten wir jetzt nicht mehr auf der Fähre bezahlen. Allerdings mussten wir jetzt den ganzen Weg vom Inskip Point nach Hervey Bay auf dem Festland zurücklegen. War aber gar nicht so weit, wir sind vielleicht 2 ½ Stunden gefahren.

Nun sind wir also in Hervey Bay und haben gestern erstmal unseren Pajero komplett vom Sand und Salzwasser befreit. Heute waren wir dann mit ihm in der Werkstatt und haben ihn einmal richtig durchchecken lassen. Ein paar ganz schöne Schläge musste er auf Fraser Island schon einstecken. Wir haben ihn in der Werkstatt abgegeben und 2 Stunden später hat Tom, der Mechaniker, schon angerufen und gesagt, dass alles ok sei und wir „olle Manny“ abholen können. Haben wir natürlich gleich getan. Hoffentlich haben die Mechaniker nicht an unserer Unterwäsche geschnüffelt. Chris größte Sorge war, dass sie sich mit ihren schmierigen Klamotten auf unserm Bett gewälzt haben. ;)

Heute gucken wir uns noch Hervey Bay an und morgen geht’s dann weiter Richtung Norden. Wenn wir 2 – 3 Wochen später hier gewesen wären, hätten wir eine Waltour machen können. Die sind von August bis November mit ihren Kälbern in der Hervey Bay. Schade!


Montag, 21. Juli 2008

Hervey Bay, Bundaberg, Rockhampton & Mackay

Von Freitag bis Dienstag letzte Woche waren wir in Hervey Bay und haben das Auto und die Klamotten vom Fraser Island Sand und Salzwasser befreit. Hervey Bay hat sich durch das Zusammenwachen von 5 Städten gebildet und hat deshalb kein richtiges Stadtzentrum. Die meisten Cafés, Restaurants, Hostels und Shops findet man an der Strandpromenade „The Esplanade“. Hervey Bay war wieder mal eine gemütliche, relativ kleine Stadt und sah aus wie alle anderen Städte hier auch.

Man kann sich die Städte hier wie moderne Westernstädte vorstellen. Die Häuser sind meist aus Holz und einstöckig. Die Wohnhäuser stehen oft auf so was wie Stelzen und haben selbstgebaute Briefkästen. In ländlichen Gegenden sind das manchmal nur alte Milchkannen oder Plastikfässer auf einem Stock. Wir haben uns schon öfter gefragt, was die Leute hier so arbeiten, die Farmer mal ausgenommen. Manche sind sicher Bauarbeiter, andere Lehrer, Gärtner, Putzfrauen und andere haben ein kleines Geschäft in der Stadt. Da hört es aber schon fast auf. Was macht der Rest? Bis in die nächste Stadt (die ja dann auch wieder wenig bis gar keine Fabriken oder Unternehmen hat) sind es manchmal 100km und so Autobahnen wie bei uns gibt es hier nicht. Der Bruce Highway zum Beispiel ist quasi die Autobahn an der Ostküste entlang. Diese Straße hat in jede Richtung nur eine Spur. Alle paar Kilometer wird sie dann abwechselnd für ca. 2km zweispurig, dass man, wenn nötig, überholen kann. Standstreifen gibt es hier auch nicht. Hier ist ja auch viel weniger Verkehr als bei uns, obwohl wir damit erst an der Westküste gerechnet hätten. Da kann man schon mal eine halbe Stunde fahren, ohne ein anderes Auto zu sehen. Das Einzige was man sieht sind Rinder, Pferde, Farmen, Gras, Bäume, Berge und alles sieht immer gleich aus. Die australischen Rinder sind übrigens eine Mischung aus „normalen“ Rindern und indischen Rindern, weil diese das Klima hier besser ertragen. Die Schulen sind total klein. Manche sehen eher aus wie ein großes Einfamilienhaus. Die Schuluniformen sind voll niedlich und es gehört auch immer ein Hut dazu. Wenn man das so sieht, fühlt man sich manchmal wie in einem anderen Zeitalter.

Naja, weiter zu Hervey Bay. Dieser Urlaubsort ist eigentlich hauptsächlich wegen der Fähre nach Fraser Island und den Walen in der Bucht bekannt. Leider sind die Wale nur von August bis November da. Wir sind also ein kleines bisschen zu früh da gewesen und konnten deshalb keine Waltour machen. Dazu werden wir an der Westküste aber hoffentlich noch Gelegenheit haben.

Der Campingplatz in Hervey Bay war ganz schön, mit Blick auf’s Meer. Leider aber ohne Internet. Der Campingplatzbetreiber hatte uns aber den Tipp gegeben, mal beim Café direkt neben an zu fragen. Haben wir auch gleich getan und der Besitzer hat uns sein privates WLan-Passwort gegeben, dass wir die ganze Zeit hätten nutzen können, wenn wir am nächsten Tag im Bistro frühstücken würden. War natürlich geil! Wenn es funktioniert hätte! Keine Ahnung warum, aber wir sind einfach nicht in sein Netz rein gekommen. Am nächsten Tag haben wir uns noch mal vergewissert, dass er uns auch das richtige Passwort gegeben hat, was leider auch der Fall war. Der Typ, ein australischer Christian Anders Verschnitt, hat sich tausendmal dafür entschuldigt, dass es nicht funktioniert hat. Er hat uns dann angeboten, unsere Mails an seinem privaten Computer in seinem Haus zu checken. Da wir aber hauptsächlich die Internetseite aktualisieren wollten und das alles zu lange gedauert hätte, haben wir das dankend abgelehnt. Der Typ sah echt aus wie Christian Anders, hatte immer weiße oder beige Leinenklamotten an und hatte lange blonde Haare. Abends saß er dann manchmal mit seiner Gitarre da und hat gesungen. Außerdem war er übertrieben gechillt und hat extrem langsam gesprochen. So stellen wir uns einen Sektenführer vor. In seinem Laden waren auch immer Mädels mit ziemlich kurzen Röcken und als er uns zum privaten Abendessen als „Gäste des Hauses“ eingeladen hat, waren wir irgendwie skeptisch. Typisch deutsch, aber wahrscheinlich wären wir durch seine langsame, monotone Stimme auch schon vor dem Essen eingeschlafen.

Auf dem Pier von Hervey Bay ist Chris etwas ganz tolles passiert. Ihm hat eine Möwe auf die rechte Schulter geschissen. Jetzt hat er bestimmt für den Rest seines Lebens ganz viel Glück. Blöd nur, dass Möwenkacke so ätzend ist, dass sie nicht richtig raus zu waschen geht.

Am Dienstag sind wir dann nach Bundaberg gefahren. Eigentlich wollten wir hier schon mal ein bisschen arbeiten, weil es rings um Bundaberg immer reichlich fruit-picking Jobs gibt. Dumm ist nur, dass die Farmen hier Verträge mit den Hostels haben. Wenn man Arbeit möchte, muss man in einem Hostel wohnen und bekommt darüber dann einen Job auf einer Farm. Im Hostel zu wohnen ist aber mindestens doppelt so teuer wie auf einem Campingplatz. Außerdem wollen wir uns nicht ein Zimmer mit 10 anderen Leuten teilen. Wir haben uns dann nur die Destille vom Bundaberg Rum angesehen. Das ist wohl die Größte in Australien. Uns erschien sie ziemlich klein und alt. Die Führung war ganz interessant und witzig. Leider konnte man dort keine Fotos machen. Am Schluss gab es natürlich noch für jeden 2 Gläser Rum nach Wahl zum probieren. Da Chris ja noch fahren musste (er hat das mit dem Linksverkehr schon perfekt drauf) und ich so starke Sachen nicht mehr trinke, haben wir einen „Dry and Lime“ – Bundaberg Rum mit Limette und ein „Dry and Stormy“ oder so ähnlich – Bundaberg Rum mit Ginger Beer probiert. Der „Dry and Lime“ war echt lecker. Ich glaube, der Bundaberg Rum hätte mir auch pur geschmeckt. Das mit dem Bier hat echt ekelig geschmeckt, viel zu süß. Wir bleiben lieber bei richtigem Bier. Chris trinkt im Moment Gold XXXX. Ist hier mit das beliebteste Bier und schmeckt schon etwas besser als das Carlton Dry.

Da Bundaberg sonst auch eine typische Stadt an der Ostküste ist, man nicht alles sehen kann und wir das mit dem Arbeiten hier abgeschrieben haben, sind wir am selben Tag noch weiter Richtung Rockhampton gefahren. Als es dann langsam dunkel wurde haben wir in Gin Gin auf einem Campingplatz an der Straße geschlafen. Wahrscheinlich war hier noch nie ein Tourist. Die Leute die da waren, haben uns die ganze Zeit beobachtet und eine leicht angetrunkene Frau hat uns freudig zugewinkt. Der Campingplatz war auch direkt hinter einer Tankstelle (Shop mit 3 alten Zapfsäulen) und irgendwie hat mich die ganze Szene an einen Horrorfilm erinnert. Generell hätte ich weniger Horrorfilme sehen sollen, dann könnte ich nämlich entspannter schlafen. Die Nacht in Gin Gin war dann aber doch ganz ok. Ich war allerdings trotzdem froh, als wir dann am nächsten Morgen weiter nach Rockhampton gefahren sind. Chris hat mit dem Schlafen in so zwielichtigen Umgebungen übrigens kein Problem und würde sich auch das komplette Auto leer räumen lassen – Hauptsache schlafen. Wenn ich ihn nachts dann manchmal, ganz aus Versehen natürlich, wach mache, weil da echt unheimliche Geräusche sind, kann er auch schon mal richtig gereizt sein. Dabei hat er doch die selben Horrorfilme gesehen.

ROCK!!! Rockhampton ist die Rinderhauptstadt Australiens und deshalb stehen auch überall Rinderstatuen rum. Hier sind wir am Mittwoch angekommen und haben uns in der Touristeninfo erstmal mit Infos versorgt. Da es in Rockhampton selbst nicht so viel zu sehen gab, oder besser gesagt nur das Übliche, wie in den anderen Städten halt auch, haben wir uns die Stadt nur vom Auto aus angesehen. Nur das „Heritage Village“ – eine Art Museum mit Häusern und Maschinen von 1850 – 1950 - haben wir uns genauer angeschaut. Als wir dort ankamen und den Eintrittspreis von 6A$ pro Person gezahlt haben, bekamen wir, zu unserer Überrauschung, eine private Führung von Robert. Robert war bestimmt schon 80, hat dauernd gefurzt und aufgestoßen, war sonst aber echt sympathisch. Er hat uns in einem fast 80 Jahre alten Auto dann von Haus zu Haus gefahren und uns alles erklärt. Alles haben wir nicht verstanden, weil sein Akzent zu extrem war, aber interessant war es trotzdem. Wir haben uns aber gefragt, warum die hier Häuser als Museum ausstellen, die heute noch genauso in Australien verbreitet sind. Wir hatten das Glück, dass eine japanische Klasse, die für zwei Wochen an der University of Queensland in Rockhampton war, gerade das „Heritage Village“ besuchte. Die hatten natürlich ein spezielles Programm mit Kutschfahrt, Ziegen füttern, reiten und Kühe melken. Robert hat uns zu den ganzen Aktionen mit eingeschleust. Die Japaner sind schon echt krass. Als die Kutsche zum Beispiel los gefahren ist, haben sie wie bekloppt angefangen zu schreien und auf jedem Foto musste das Peace-Zeichen mit drauf sein. Vielleicht hat es ja noch mehr Bedeutungen. Chris und ich kennen uns da nicht so aus. Als wir die Ziegen und Schafe gefüttert haben, haben wir kurz mit der Lehrerin dieser Klasse gesprochen und ihr erzählt, dass wir aus Deutschland kommen. Das hat sie dann ihrer Klasse erzählt und danach kam eine Japanerin an, hat mir eine kleine Ziege gegeben und wollte ein Foto mit mir machen (natürlich inklusive Peace-Zeichen). Komisch, Komisch! Auf das Reiten haben wir verzichtet, war uns dann doch zu blöd... 50 Meter im Kreis und schreien wie bekloppt. Das sollten mal lieber die Japaner machen. Wir sind dann mit Robert weiter und haben uns den Rest von dem Dorf angeguckt. Als die Tour dann zu Ende war, haben wir uns von Robert verabschiedet und noch ein paar Infotafeln gelesen. Zwei Minuten später kam Robert dann aber schon wieder an und hat uns noch mal zu der japanischen Klasse gebracht. Die haben nämlich gerade ein „Damper“, ein echtes australisches Buschbrot, mit Sirup gegessen. Wir haben dann auch eins bekommen und es war echt lecker, eine Mischung aus Kuchen und Brot. Insgesamt waren wir ca. 4 Stunden im „Heritage Village“, obwohl man das alles locker in einer Stunde geschafft hätte.

Rockhampton liegt direkt auf dem Wendekreis des Steinbocks (Capricorn), der Australien klimatisch in die tropische und gemäßigt subtropische Zone teilt. Das merkt man auch am Wetter. Ab Rockhampton war es echt schwül und etwas wärmer. Außerdem gibt es seit Rockhampton mehr Moskitos und Regenwald.

In Yeppoon, ein Stück westlich von Rockhampton an der Küste, haben wir uns dann einen Campingplatz gesucht und hatten Glück, dass gerade noch ein Platz frei war. Abends sind da riesige Fledermäuse ca. 2 Meter über unseren Köpfen geflogen. Die haben eine Flügelspannweite von bestimmt 60cm und sind absolut nicht mit unseren vergleichbar. Man sieht richtig die gummiartigen Flügel und sie fliegen ziemlich geschmeidig und leise. Schon in Hervey Bay sind bestimmt 100 solche Fledermäuse oder Flughunde über unser Auto geflogen als es dunkel wurde. Hat schon irgendwie was von Dracula.

Donnerstag sind wir dann an der Capricorn Coast von Yeppoon nach Emu Park gefahren und direkt weiter Richtung Mackay. Auf dem Weg dahin, ca. 25km nach Rockhampton, haben wir uns noch die Capricorn Caves angesehen. Das sind Höhlen die 1882 von John Olsen entdeckt wurden. Der Typ war damals 15 Jahre alt und ist nur mit einer Kerze durch diese Höhlen gelaufen. Nick, der Guide, der uns die Höhlen gezeigt hat, hat uns auch mal demonstriert wie dunkel es ohne Kerze ist. Man sieht dann echt gar nichts. Auch nicht die Hand direkt vor den Augen – komplett schwarz. In den Höhlen gibt es ja außer der Dunkelheit auch noch Spinnen, Schlangen, Fledermäuse und echt tiefe Schluchten. Der Typ war komplett verrückt! Die Führung war jedenfalls richtig interessant. In der „Cathedral“, einem großen Raum in der Höhle mit Bänken, wo man auch heiraten kann, hat Nick uns dann die fast perfekte Akustik in diesem Raum gezeigt. Wir wissen die genauen Zahlen nicht mehr, aber für DIE perfekte Akustik gibt es einen Wert und der Wert in diesem Raum war ganz nah dran. Jedenfalls hat Nick dann Angel von Robby Williams angemacht (allerdings von einer Mädchenstimme gesungen) und das war echt der Hammer. Hat sich richtig gut angehört. Dazu gab es dann noch eine kleine Lichtshow und wir hatten mal wieder eine Gänsehaut. Das letzte Stück in der Höhle haben wir dann ohne Guide nur mit einer Kerze in der Hand zurückgelegt. Der Gang, durch den wir gehen sollten, war extrem eng und mit den Rucksäcken hatten wir manchmal das Gefühl gleich stecken zu bleiben. Sich so nah an der Wand lang zu quetschen, war auch wegen der Huntsman Spider, die wir kurz vorher an einer Wand gesehen haben, nicht ganz so entspannt.

Nachdem wir in der „Beef Capital of Australia“ waren, sind wir dann am Donnerstag auch in die „Sugar Capital“ nach Mackay gefahren. Der Weg nach Mackay war wieder ziemlich eintönig und lang. Ca. 100 km (die Australier sagen übrigens einfach 100 ks) vor Mackay wurde überall Zuckerrohr angebaut.

Wir haben wieder einen Campingplatz ein wenig außerhalb von Mackay in Blacks Beach angesteuert und hatten dort sehr nette australische Nachbarn. Da wir keinen Strom hatten, haben sie Chris gefragt, ob sie ihm das Wasser für den Tee und den Kaffee zum Frühstück kochen sollen. Das haben sie dann auch gemacht und ihm noch zwei echt große Tomaten gegeben. Die Tomaten waren übrigens aus Bowen, ein Stück weiter nördlich. In Bowen ist im Moment Erntezeit für viele Gemüsearten und wir werden versuchen dort das erste Mal zu arbeiten. Außerdem haben uns die Beiden noch erzählt, dass man im Sommer öfter mal für einige Wochen nicht von Darwin an die Westküste kommt, weil dort Straßen in der Regenzeit überflutet sind. Es gibt da im Sommer wohl jeden Abend Wolkenbrüche und Gewitter. Ich steh’ ja eigentlich auf Gewitter. Ist doch voll romantisch - aber bestimmt nicht im Zelt und wenn wieder alle Klamotten nass sind. Naja mal abwarten.

Bevor wir am Samstag dann weiter Richtung Bowen gefahren sind, haben wir uns noch spontan den Eungella Nationalpark angeguckt. Der liegt ca. 80km westlich von Mackay. Der Eungella Nationalpark ist in den Bergen und besteht zum Großteil aus Regenwald. Der Weg dorthin ging über eine Serpentinenstraße mit 12% Steigung – fast wie in Norwegen. Auf dem Weg zu einem Campingplatz auf der Spitze der Berge haben wir uns noch die Finch Hatton Gorge angeguckt. Dort gibt es zwei Wasserfälle und man kann in den Pools unter den Wasserfällen baden. Das Wasser war aber viel zu kalt, um da rein zu springen. Die Beine haben schon nach ein paar Sekunden im Wasser angefangen zu stechen. Leider konnten wir nur bis zu den Araluen Cascades laufen, der Weg zum Wheel of Fire war wegen Überflutungsschäden gesperrt.

Der Ausblick vom Campingplatz war echt der Hammer. Man konnte über das ganze Tal gucken und hat die Zuckerrohrplantagen gesehen. Der Campingplatz war generell echt empfehlenswert (bis auf die zwei Toiletten und eine Dusche die sich alle Männer, bzw. Frauen teilen mussten). Die Nacht hat 20A$ gekostet und wir hatten kostenlosen WLan-Zugang.

Am Abend sind wir noch zum Broken River gefahren, in dem Schnabeltiere wohnen sollen. Wir hatten auch das Glück, welche sehen zu können. Sie sind aber ziemlich scheu und tauchen schnell wieder ab. Deshalb haben wir keine wirklich guten Bilder machen können. Uns ist auch aufgefallen, dass man nicht mal in den Touristeninfos richtige Fotos von Schnabeltieren findet. Da sind meist nur Zeichnungen von Schnabeltieren abgebildet. Schnabeltiere sind übrigens die einzigen Säugetiere auf der Welt die Eier legen und es gibt sie nur im Osten Australiens. Die Aborigines glauben, dass die Schnabeltiere entstanden sind, als sich eine Schwimmratte und ein Entenweibche gepaart haben.

Die spaßige Zeit wird jetzt aber erstmal zu Ende sein. Im Moment ist hier Erntezeit und wir werden die Gelegenheit nutzen, ein bisschen Geld für die nächsten Monate anzusparen.