Januar 2009


Montag, 05. Januar 2009

Weihnachten & Silvester Down Under

Weihnachten ist dieses Jahr komplett an uns vorbei gegangen. Wenn wir nicht ab und zu was von zu Hause über die Weihnachtsvorbereitungen gehört hätten, hätten wir es vielleicht sogar total vergessen. Um aber wenigsten ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung zu bekommen, haben wir uns am 23.12. die Weihnachtsgeschichte auf dem Forrest Place in Perth angeschaut. Maria und Josef kamen da mit einem echten Esel und die Heiligen Drei Könige mit Kamelen zur Bühne geritten und zu den Weihnachtsliedern haben Mädels im Bikini getanzt. Schon ein bisschen anders als bei uns. Am Ende gab es Konfettiregen und die Weihnachtsstimmung hat sich nicht eingestellt.

Am 24.12. haben wir uns auf dem Campingplatz in Rockingham was leckeres zu Essen gemacht, ein paar Bier getrunken (zur Feier des Tages gab es Becks, das hier ziemlich teuer ist) und das war’s dann auch schon.

Am 26.12. ist in Australien Boxing Day. Da fängt quasi der Winterschlussverkauf an und man kann echt günstig shoppen gehen. Sollte man direkt am 26.12. aber dann doch lieber lassen. Wir haben es versucht, aber als wir eine halbe Stunde an den Umkleidekabinen und noch mal eine halbe Stunde an der Kasse hätten anstehen müssen, haben wir beschlossen ein anderes Mal shoppen zu gehen.

Am 27.12. sind wir wieder ins Fremantle Village auf einen Luxus-Stellplatz umgezogen.

Von dem Weihnachtsgeld, was wir von unseren lieben Eltern, Omas und Opas bekommen haben (ja, das war das Gute an Weihnachten dieses Jahr), haben wir uns in dem Didgeridoo-Laden in Fremantle, wo wir auch auf dem Konzert waren, drei Didgeridoos gekauft – ein ganz Großes, ein etwas Kleineres und ein Naturbelassenes zum Üben auf dem wir Unterschriften von den Leuten sammeln, die wir auf unserer Reise durch Australien so kennen lernen. Schade, dass wir das noch nicht in Carnarvon hatten. Die beiden Bemalten haben wir direkt aus dem Laden nach Deutschland schicken lassen. Sind auch ein paar Tage später wohlbehalten angekommen.

Mittlerweile bekommen wir schon ganz gute Töne aus dem Didge. Es ist aber echt schwer ganz klare Töne raus zu bekommen und diese zirkuläre Atemtechnik (Luft ins Didge blasen und dabei einatmen) ist für mich komplett abstrakt und unmöglich. Chris hat sie schon ein paar Mal hinbekommen.

Silvester haben wir (übrigens immer noch zusammen mit Johanna und René) im Kings Park in Perth gefeiert. Wir haben uns den Rucksack voller Bier gepackt und sind dann mit dem Bus in die City gefahren. Dort saßen wir dann neben vielen Familien auf dem Rasen und haben auf Perth geschaut. Bei uns in Deutschland hätte es bei solchen Anlässen mit Sicherheit Musik und Bierstände gegeben – nicht aber in Australien. Wir saßen und lagen also knapp 4 Stunden dort rum und haben gewartet. Richtige Stimmung kam dabei nicht auf. Chris und René haben sich die Langeweile irgendwann mit Weinkampftrinken vertrieben. Eine Viertelstunde vor 24.00 Uhr ging dann irgendwo auf einmal ein Feuerwerk los. Wir dachten, das sei ein kleines Feuerwerk, das die Veranstalter irgendeiner Party jetzt schon starten, bevor es dann im großen Feuerwerk um Null-Uhr untergeht. Denkste!!! Punkt Null-Uhr war alles vorbei, die Leute sind aufgesprungen und nach Hause gestürmt. Nix mit Countdown zählen oder so. In Deutschland wird in jeder Kleinstadt mehr gefeiert.

Wir sind dann mit dem letzten Bus kurz nach 01.00 wieder nach Fremantle gefahren. Das war dann noch ein bisschen lustig, weil der Busfahrer, der uns vom Fremantle Bahnhof bis zu unserem Campingplatz gefahren hat, eine bayerische Lederhose anhatte, einen schön aufgedrehten Schnauzbart hatte und Werner hieß. Deutsch sprechen konnte er aber nicht nur „Hneini, hneini“, was soviel wie herein heißen sollte, konnte er sagen.

Der Campingplatz liegt übrigens in der Cockburn Road. Ich habe bevor wir eingestiegen sind, den Busfahrer noch gefragt, ob er auch in der Cockburn Road hält und dabei Cockburn so ausgesprochen wie es auch geschrieben wird. Der Busfahrer hat dreimal nachgefragt und hinter mir fingen die Leute an zu lachen. Ich wurde dann berichtigt, dass diese Straße Co-burn ausgesprochen wird und später fiel mir dann auch ein, das Cock auch umgangssprachlich Schwanz heißt. Wir wollten also in die Schwanz-Brand Straße. Naja, wir und die Leute im Bus hatten was zu lachen und auch Werner hatte seinen Spaß als er an den folgenden Haltestellen gefragt hat „Anymore for CoCKburn?“.

Den nächsten Tag haben wir auf der Couch vorm Fernseher in der klimatisierten Küche vom Campingplatz verbracht. Draußen war es echt extrem heiß und die anderen drei hatten auch einen Kater. Bei mir war es das erste Mal seit Langem, das ich nach Silvester ohne Kater aufgestanden bin.

Am 02.01. sind wir dann weiter in den Süden aufgebrochen. Johanna und René sind noch länger in Fremantle geblieben. Wir werden uns bestimmt noch mal irgendwo auf der Strecke nach Sydney treffen.


Mittwoch, 21. Januar 2009

Süd-Westen über die Nullarbor Plain nach Adelaide

Nachdem am 02. Januar das Schreiben von der Road & Traffic Authority in New South Wales, mit dem wir unsere Registrierungsverlängerung abschließen können, immer noch nicht angekommen war, sind wir in Richtung Busselton aufgebrochen. Kurz vor Busselton haben wir im Tuart Forest Nationalpark in einem echten Nadelwald geschlafen. So was sieht man in Australien nicht oft.

Busselton ist ein schönes Küstenstädtchen mit einer fast 2km langen Jetty. Am Ende der Jetty ist ein Underwater Observatorium, von dem aus man die Unterwasserwelt an der Jetty beobachten kann. Das ist mit ca. 20A$ pro Kopf aber auch nicht ganz billig.

Am nächsten Morgen, Samstag, haben wir uns die Ngigli Caves bei Yallingup angeschaut. Das sind Tropfsteinhöhlen mit vielen schönen Stalaktiten und bei 40°C Außentemperatur hätten wir Stunden dort verbringen können. Weiter ging es dann zum Cape Naturaliste, wo man sich auf einer Führung einen Leuchtturm anschauen kann. Aufgrund der Hitze und der ätzenden Fliegen, haben wir uns das aber gespart. Der Leuchtturm sah auch nicht besonders einladend aus.

Geschlafen haben wir in einem Bushcamp (Conto Campground) im Leeuwin Nationalpark. Es gab dort zwar auch nur Plumpsklos, aber für ein Bushcamp ist dieses Camp echt empfehlenswert. Im Moment sind ja auch Ferien und da waren ganze Großfamilien, die sich ihre Zeltstädte dort aufgebaut hatten und die Sommerferien verbringen. Die haben dann natürlich ihre eigenen Ökoklos und Solarduschen dabei. Was Camping angeht sind die Australier immer extrem gut ausgestattet und zur Abwechslung mal ganz weit vorne. Im Conto Campground haben wir am nächsten Morgen dann die größte Echse, die uns bisher in Australien über den Weg gelaufen ist, gesehen. Endlich! Wir haben schon so lange nach großen Echsen Ausschau gehalten. Wenn wir dann mal eine gesehen haben, war sie schon wieder weg, bevor wir ein Foto machen konnten.

Am nächsten Tag haben wir uns dann Augusta, Margaret River und Cape Leeuwin angeschaut, bevor wir wieder nach Busselton gefahren sind. In Margaret River wollten wir ja eigentlich unbedingt arbeiten, weil die Ecke dort schön ist und viel Landwirtschaft betrieben wird. Allerdings sind gerade Sommerferien und Margaret River war komplett überfüllt. So viel zu sehen wie wir dachten gab es im Süden von Western Australia dann auch nicht. Für westaustralische Verhältnisse ist es viel, was man sich anschauen kann, aber wir haben das meiste schon in zwei Tagen erkundet.

Also sind wir am 05. Januar noch einmal nach Fremantle auf den Campingplatz gefahren, haben dort eine Nacht verbracht und am nächsten Vormittag wieder auf die Post gewartet. Natürlich nichts... das Schreiben wurde ja auch erst vor drei Wochen abgeschickt und Australien ist groß. Da braucht die Postkutsche eine Weile von Sydney nach Perth. Es geht echt schneller einen Brief nach Deutschland zu schicken. Ok zwischendurch waren mit Weihnachten und Silvester auch ein paar Feiertage, aber trotzdem.

So haben wir uns dazu entschlossen, die „No worries!“, „Easy goin’!“, Barfuß-in-den-Supermarkt Mentalität der Australier anzunehmen und einfach mal weiter zu fahren und gucken, ob sich das Problem mit der Registrierung nicht vielleicht von selbst löst.

Wir sind dann von Fremantle direkt bis Walpole gefahren, wo wir die Nacht wieder auf einen Rastplatz verbracht haben. Am nächsten Morgen haben wir den bekannten Tree-Top-Walk gemacht. Der war ganz nett und mit 8A$ Eintritt pro Person auch recht günstig. Das ist ein Weg, der mit Gerüsten in 40 Metern Höhe durch die Karri Wälder und Tingle Bäume führt - teilweise ganz schön wackelig.

Danach sind wir weiter nach Esperance gefahren, wo wir eine Nacht auf einem Campingplatz verbracht haben – noch mal duschen bevor wir die nächsten 1.400 km durch’s nichts (Nullarbor Plain) fahren.

Am 08.01. haben wir uns dann auf den Weg durch die Nullarbor Plain gemacht. Nach zwei Tagen Fahrt und ca. 1.400 km hatten wir den einsamsten Teil der Strecke hinter uns und sind in Ceduna angekommen. Dort haben wir uns am nächsten Morgen in der Touristeninfo ein Zertifikat darüber geholt, das wir durch die Nullarbor Plain gefahren sind. Man kann sich echt nicht vorstellen wie viel Land in Australien total unberührt und einsam ist. Auf der einen Seite ist es beeindruckend das zu erleben, auf der anderen Seite nerven uns diese extremen Entfernungen langsam tierisch. Man fährt den ganzen Tag und kommt doch abends nirgendwo an. Etwas Gutes hatte die Fahrt durch die Nullarbor Plain aber, wir wurden darüber aufgeklärt, dass man unseren Campingkocher auch ohne Streichhölzer anbekommt. Da ist nämlich ein Selbstzünder eingebaut. Schön, dass wir das in 7 Monaten nicht selber mitbekommen haben und immer fleißig mit Streichhölzern rumhantiert haben.

Weiter ging es dann nach Port Augusta – diese Stadt ist echt hässlich und man kann schnell durch fahren. Wir haben dort eine Nacht geschlafen, weil wir uns dazu entschieden hatten, unser Registrierungsproblem direkt in New South Wales in Angriff zu nehmen. Die nächstgelegene Stadt von hier aus in NSW ist Broken Hill. Dort sind wir dann auch am nächsten Morgen hingefahren und am Montag haben wir ohne Probleme unsere Rego bei der Road & Traffic Authority verlängern und bezahlen können. Den Sticker haben wir dann auch direkt bekommen. Das waren also mal eben 800km Umweg, aber das ist in Australien ja nichts. Danach ging es zurück nach Adelaide.

Im Moment macht uns die Hitze ganz schön zu schaffen. Es sind über 40°C und wenn der Wind weht ist es, als ob man Luft aus einem Föhn ins Gesicht bekommt.

In Adelaide haben wir uns erstmal zwei Tage von der Sitzerei der letzen Tage erholt und einen super netten Polen kennen gelernt. Er lebt schon seit 26 Jahren in Australien und hat uns gleich gute Tipps gegeben, wo wir uns nach einem Job umschauen können. Falls wir in Adelaide und Umgebung nichts kriegen, hat er uns auch noch seine Adresse und Telefonnummer gegeben. Sein Cousin hat nämlich ein Bauunternehmen in Melbourne, bei dem Chris für 20 Bugs auf die Hand arbeiten könnte. Witzig ist, dass der Pole selbst Chris heißt und seine Mutter Janina. Naja so witzig ist es auch wieder nicht, dass ein wahrscheinlich doch schon älteres polnisches Großmütterchen so heißt wie ich.

Viel Sightseeing haben wir in Adelaide nicht gemacht. Dafür war es einfach zu heiß. Wir haben die Tage meist mit unseren Body-Boards im Meer verbracht.

Am Mittwoch, 14.01.2009, haben wir uns dann auf Jobsuche in den ländlichen Regionen rings um Adelaide begeben. Über viele Weingüter in McLaren Vale sind wir nach Hahndorf gekommen. Hahndorf ist ein deutsches Dorf, in dem man viel bayerischen Kitsch und Essen kaufen kann. Dort gibt es eine große Erdbeerfarm, in der wir auch nach Arbeit gefragt haben. Leider hatte die Chefin dort kurz vor uns schon zwei Plätze vergeben.

Also ging es weiter nach Mount Barker und am nächsten Morgen nach Mount Gambier. Hier gibt es einige Vulkanseen, u.a. auch den Blue Lake, der wirklich extrem blaues Wasser hat. Mittlerweile ist es auch wieder kälter geworden und wir haben innerhalb von zwei Tagen einen Temperaturunterschied von 20°C gehabt.

Auch in Mount Gambier haben wir die Umgebung abgeklappert und immer die selbe Antwort bekommen: „Kommt Mitte Februar wieder, dann habe ich Arbeit.“

Einige Farmer hatten uns auch erzählt, dass in den Riverlands (ca. 300km nord-östlich von Adelaide) noch Äpfel und Orangen gepflückt werden und wir es da probieren können. Das war so weit auch richtig, aber die wenigen Jobs die es dort gab, waren natürlich alle vergeben. Die Leute sind aber immer echt nett wenn man nach Arbeit fragt. Wir haben so zwar keinen Job, aber dafür Orangen und einen Topf voll der besten Weintrauben überhaupt bekommen.

Da fällt uns auch gleich noch ein Beispiel für die australische Hilfsbereitschaft ein. Wir haben in einer Tankstelle nach dem Weg zu einem großen Packing Shed gefragt. Ein Typ der gerade Waren in die Tankstelle geliefert hat, wollte uns den Weg auf einer Karte zeigen. Als er die Straße nicht direkt gefunden hat, meinte er: „Zu kompliziert, fahrt mir einfach hinterher.“. Gesagt, getan und so hat er uns mal eben während seiner Arbeitszeit 15 Minuten durch die halbe Stadt gefahren. Er musste ja auch noch wieder zurück. Echt cool. Später haben wir ihn in der Stadt wieder getroffen und er hat gefragt wie es gelaufen ist. Nachdem wir ihm erzählt haben, dass wir wieder nur einen Bewerbungsbogen ausfüllen konnten und ca. einen Monat warten sollen, hat er uns noch gezeigt, wo die zwei Jobagenturen der Stadt sind.

Chris Geburtstag, am 17.01., haben wir in Berri verbracht. War nicht besonders spektakulär, aber so sind Geburtstage tausende Kilometer von zu Hause entfernt eben.

Den nächsten Tag waren wir dann wieder auf erfolgloser Jobsuche in Renmark und haben direkt am Murray River geschlafen. Abends ist direkt neben uns ein Opossum vom Baum geklettert und ein großes Känguru vorbei gesprungen. Irgendwie immer wieder cool, wenn man solche Tiere so nah sieht.

Am Montag haben wir dann ein Jobangebot zum Orangenpflücken bekommen. Scheiß Job, aber das Geld wird langsam richtig knapp. Also sind wir 80km in den nächsten Ort gefahren, nur um uns dort anzuhören, dass der Job dann doch schon vergeben wurde.

Kurz danach haben wir aber eine Nachricht von Steve, dem Manager einer großen Pflanzensamenfirma aus Mount Gambier bekommen. Er hätte ab dem 02. Februar einen Job für uns auf einem Zwiebelfeld - ziemlich leichte Arbeit, wenn es nicht so heiß ist. Wenn gar nichts anderes geht, könnten wir das also zumindest machen.

Am nächsten Morgen haben wir uns spontan entschlossen, uns von den Strapazen der letzten Tage zu erholen und noch ein paar Tage Urlaub zu machen. Wozu haben wir denn ein Dispo?! Und Rumsitzen und Warten wollen wir nicht. Also ging es am 20.01. weiter Richtung Süd-Osten. Wir wollen uns jetzt die Grampians und die Great Ocean Road anschauen und dann bei Melbourne Arbeit suchen.


Donnerstag, 29. Januar 2009

Wunderbarer Zwangsurlaub in den Grampians und an der Great Ocean Road

Nachdem wir uns ja nun dazu entschieden hatten, dass wir nicht Rumsitzen und drei Wochen auf Arbeit warten können, sind wir am Dienstag (20.01.2009) in den Grampians Nationalpark gefahren. Der Park ist nach den Grampians in den schottischen Highlands benannt und hat wohl auch Ähnlichkeit mit diesen. Als wir in den Grampians ankamen, war es schon etwas später und wir haben uns nur noch die McKenzie Falls angeschaut. Danach haben wir es uns in einem Bushcamp mit Dosenminestrone gemütlich gemacht.

Da es im Moment ziemlich warm hier ist und wir ein paar kleine Wanderungen machen wollten, sind wir am nächsten Morgen um 06.00 aufgestanden und zum Reid Lookout gelaufen, von dem aus man die berühmten „Balconies“ sehen kann. Wir waren an diesem Tag auch echt die Ersten die den ca. 2km langen bzw. kurzen Weg gelaufen sind. Die Spinnenweben hingen alle noch über dem Weg. Der Vorteil, wenn man so früh aufsteht ist aber, dass es noch nicht so heiß ist und man auch echt eine Menge Tiere zu sehen bekommt, die man sonst vielleicht nicht gesehen hätte. Wir haben verschiedene Wallaby-Arten, Echsen und Vögel gesehen. Außerdem konnten wir so ungestört über die Absperrung klettern und ein paar schöne Bilder im Schlund des Drachen machen. „The early bird catches the worm!“

Danach ging es weiter auf den 1.168m hohen Mt. William, den höchsten Punkt der Grampians. Der Weg dort hoch war echt nicht ohne. Es ging 1,8km steil nach oben. Unsere Waden und Hintern haben danach ganz schön geschmerzt. Runter war dann ein bisschen leichter. Den Ausblick von der Spitze fanden wir nicht so berauschend, aber auf dem Weg nach oben gab es ein paar schöne Stellen zum Fotografieren. Wallabies und richtig hübsche Kakadus (grau mit rotem Kopf, aber keine Rosa-Kakadus) haben wir auch gesehen. Die Grampians haben uns echt gut gefallen und auch der Boroka-Lookout war sehenswert. Man hätte sich hier mit Sicherheit noch vieles mehr anschauen können.

Mittags sind wir dann weiter zur Great Ocean Road gefahren. Bis zum 24.01. sind in Australien noch Sommerferien und die Great Ocean Road war ordentlich voll. In Port Campbell haben wir deshalb auch den höchsten Preis bisher für einen Campingplatz bezahlt: 45A$. Wenn es geht, sollte man es sich echt verkneifen, die typischen Touristenattraktionen in den Ferien zu besuchen. Auf dem Weg nach Port Campbell haben wir uns schon die ersten Highlights der Great Ocean Road angeschaut: Bay of Isles und The Grotto. Das sind schöne Felsformationen im Meer, zu denen man über kurze Wege laufen kann. Das war auch so die Vorstellung, die wir beide von der Great Ocean Road hatten: eine schöne Küstenstraße, an der man ab und zu mal anhält, zu einem Lookout läuft und ein paar Fotos macht. Da die Great Ocean Road auch nur knapp 400km lang ist, kann man das also an einem Tag gut abklappern. Denkste!!! Die Great Ocean Road hat unsere Erwartungen total übertroffen. Es gibt so viele schöne Wanderwege durch Regen- oder Eukalyptuswälder, an den Klippen oder dem Meer entlang. Man kann Leuchttürme besichtigen und im Cape Otway Nationalpark frei lebende Koalas beobachten. Das war echt der Oberhammer. Einer ist vor unserer Nase vom Baum geklettert, ganz nah an uns vorbei über die Straße gelaufen und auf der anderen Seite wieder auf einen Baum geklettert. In so einem Moment hat man natürlich gerade die Kamera und den Fotoapparat nicht griffbereit. Wir waren von unserem Glück total überwältigt, da haben wir im nächsten Baum auch schon den nächsten Koala entdeckt und dann auch gleich noch einen. Glück ist es hier dann wohl doch nicht Koalas zu sehen. Wenn man an dem Abschnitt der Great Ocean Road (Richtung Cape Otway Lighthouse) in die Bäume guckt, entdeckt man mit Sicherheit einen. Wahrscheinlich auch an anderen Stellen, aber uns ist es erst hier aufgefallen. Wenn man wirklich keinen Koala entdeckt haben sollte, kann man eine Nacht auf dem Bimbi-Caravan Park verbringen. Dort sieht man hundertprozentig welche – und dazu auch gleich noch Opossums. Außerdem hat bei uns abends auch noch ein Einheimischer interessante Sachen über die Pflanzen- und Tierwelt, inkl. Kostproben und kostenloser Bratwurst erzählt. Da es im Bimbi-Park so viele Koalas gibt, kommt es öfter mal zu Revierkämpfen und es sind dabei schon Koalas vom Baum gefallen und gestorben. Da geht gleich das Kopfkino wieder an: Man geht vom Zelt auf’s Klo und plötzlich fällt einem so ein süßes Knuddeltier direkt vor die Füße oder man liegt im Auto, guckt durch’s Dachfenster in die Sterne und ein Koala stürzt auf’s Dach.

An unserem zweiten Tag auf der Great Ocean Road hatten wir nicht so ein Glück mit dem Wetter. Es war ziemlich bewölkt und total stürmisch. Auf dem einen Baum saß auch ein kleiner Koala und hat sich in der Krone an ein paar kleinen Ästchen festgekrallt. Der Koala wurde vom Wind so hin und her geschaukelt, dass wir echt Angst um ihn hatten und eine Weile unter dem Baum standen, um ihn aufzufangen, falls er abstürzt. War aber zum Glück nicht nötig.

Die 12 Apostel sind wohl die bekanntesten Felsformationen an der Great Ocean Road und dementsprechend viele Touristen waren auch dort. Schön waren sie aber trotzdem, auch wenn es ja schon lange keine 12 mehr sind. Das perfekte Foto konnten wir bei dem Wetter aber leider nicht machen.

Dafür war das Wetter für den „Wreck Beach“ sehr passend. Zum Wreck Beach kommt man über eine ca. 5km lange Schotterpiste und muss dann echt steile Treppen zum Strand runter laufen. Wenn man ein Stück am Strand entlang läuft, sieht man den Anker der Marie Gabriella, die 1869 gesunken ist und den Anker der Fiji, 1891 gesunken. Die komplette Küste zwischen Moonlight Head und Port Fairy wurde auch „Shipwreck-Coast“ genannt, weil man dort auf 120km Länge über 100 Schiffwracks gefunden hat. Jedenfalls haben die hohen Wellen, der starke Wind und der zwischenzeitliche Nieselregen für eine passende Stimmung gesorgt.

Es gibt an der Great Ocean Road einige Stellen, an denen man anhalten und Fotos machen kann. Dazu gehört auch die London Bridge, die am 15. Januar 1990 eingestürzt ist. Damals befanden sich auch noch zwei Leute auf dem Teil, der nach dem Einsturz zur Insel wurde und mussten deshalb mit dem Hubschrauber nach einigen Stunden gerettet werden. Gut, dass nicht direkt jemand auf der Brücke war und keinem etwas passiert ist.

Am nächsten Tag haben wir eine kleine Wanderung zum Shelly Beach gemacht. Dieser Strand hält was er verspricht und wir haben ein paar schöne Muscheln gefunden. Leider war gerade Flut, als wir unten am Strand ankamen, so dass wir den selben Weg wieder zurück gehen mussten. Ansonsten kann man über die Klippen einen anderen Weg zurück nehmen. Man sollte das Wasser auch echt nicht unterschätzen. Ich stand nämlich auf einem ziemlich hohen Stein und das Wasser war gut 5 Meter entfernt. Die Wellen kamen also auch gar nicht in meine Nähe. Auf einmal kam aber eine Riesenladung Wasser auf mich zu geflossen. Wahrscheinlich sind da gerade mehrere Wellen in einander geflossen und haben sich so angestoßen... keine Ahnung. Jedenfalls hat das Wasser den kompletten Stein eingeschlossen und ist auch noch weiter gestiegen. Ich hatte den Fotoapparat gerade in der Hand und wusste nicht wohin. Das Wasser ist dann noch bis an meine Schuhe gestiegen und ich hatte nasse Füße (eigentlich hatte ich nur nasse Schuhe – sind ja aus GoreTex, die Schuhe). Als das Wasser dann wieder zurückgeflossen ist, konnte ich dann wieder trockenen Fußes an den Strand. Da bekommt man schon mal kurz ein mulmiges Gefühl. Man kann das Wasser, gerade bei stürmischem Wetter, echt leicht unterschätzen. Wir haben hier auch schon einige Gräber gesehen, auf denen stand: von den Klippen ins Meer gespült und nie mehr gesehen.

Weiter ging es zu den Erskine Falls im Regenwald und zum Campingplatz in Anglesea. In Anglesea leben ganz viele Kängurus auf dem Golfplatz und lassen sich auch von den Golfern nicht stören. Wir nehmen an, dass dort schon ein paar Kängurus durch Golfbälle gestorben sind.

Am 24.01.2009 haben wir uns dann noch kurz den Leuchtturm am Split Point angeschaut. Da hier aber am 26.01. Australia Day ist und die Leute ein langes Wochenende haben, war alles komplett überfüllt und wir haben uns schnell weiter auf den Weg nach Melbourne gemacht.

Da wir im Moment wirklich dringend einen Job brauchen und erstmal keine Zeit für Sightseeing haben (zumindest nicht in einer Großstadt mit vielen schönen Geschäften), sind wir direkt an Melbourne vorbei nach Seymour gefahren. Von dort wollten wir dann weiter nach Shepparton, aber als wir unterwegs gesehen haben, wie viele Backpacker auf dem Weg dahin waren, haben wir uns entschlossen erstmal östlich von Melbourne unser Glück zu versuchen. Wenn 20 oder 30 Backpacker auf einen Job kommen, ist die Chance ja nicht sehr groß. In Bairnsdale waren dann auch wirklich weniger Backpacker und wir haben einige Farmen, Lebensmittelbetriebe und Jobagenturen abgeklappert. Bei der einen mussten wir sogar einen 30-minütigen Intelligenztest oder so machen. Naja, viel Intelligenz brauchte man dafür eigentlich nicht. Die Frau im Jobcenter meinte aber zu uns, dass die Firma für die wir den Test machen mussten, vor März wohl keine neuen Leute einstellt. Auch unsere anderen Versuche waren erfolglos, also sind wir unserem inneren Nomadenruf gefolgt und wieder Richtung Melbourne nach Hastings auf die Mornington Peninsula gefahren. Dort wollten wir es bei Australiens größter Erdbeerfarm probieren, aber auch die hatten schon mehr als genug Leute.

Übrigens haben wir im Süden von Victoria unsere ersten Wombats gesehen. Leider schon überfahren, aber sie waren noch gut zu erkennen und sehen echt aus wie riesengroße Meerschweine.

Am Abend haben wir dann noch Chris (den netten Polen, den wir in Adelaide kennen gelernt haben) angerufen. Der war auch gleich wieder voll bei der Sache und hat direkt versucht seinen Bauarbeiter-Kumpel zu erreichen. Der ging aber nicht ans Telefon. Chris hat uns dann am nächsten Morgen angerufen und erzählt, dass die Baufirma von seinem Kumpel die nächste Woche, aufgrund der Hitzewelle, die Arbeiten so gering wie möglich hält. In South Australia und Victoria ist nämlich seit gestern die größte Hitzewelle seit 1908 mit Temperaturen von bis zu 44°C ausgebrochen. Die Regierung ruft schon Krisensitzungen ein und stockt das Rettungspersonal auf. Außerdem gibt sie im Radio Tipps, wie man sich am besten verhalten soll. Dabei leben und arbeiten die meisten Leute hier ja in klimatisierten Räumen und im Supermarkt bekomme ich immer Gänsehaut, weil es so kalt ist. Wir hingegen leben im AUTO, das sich ja bekannterweise in der Sonne komplett aufheizt. Die Hitze ist echt die Hölle, aber es gibt trotzdem tatsächlich Leute, die sich bei dem Wetter Stunden an den Strand (ja auf den heißen Sand und nicht ins Meer) legen und bräunen oder sogar joggen. Selbst wenn man solche Hitze gewöhnt ist (was selbst die Melbournerianer eigentlich nicht sind), kann das nicht gesund sein.

Diese ich-fühl-mich-wie-ein-Schneemann-in-der-Sonne Hitze und die aussichtlose Lage auf dem Arbeitsmarkt haben uns dann Mittwochmorgen dazu gebracht, spontan die Fähre nach Tasmanien zu buchen. Dort ist es immerhin mindestens 10°C kälter. Blöderweise haben wir nachdem wir gebucht hatten einen Anruf aus Bairnsdale bekommen, dass wir am nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch kommen können. Wobei das ja nicht heißt, dass wir dann direkt zu arbeiten hätten anfangen können. Gestern Abend um 20.00 sind wir dann also in Melbourne losgefahren und am nächsten morgen um 06.00 in Devonport auf Tasmanien angekommen. Mehr dazu aber im nächsten Eintrag.