Dezember 2008


Freitag, 05. Dezember 2008

Ende in Sicht!!!

Gestern war nun endlich unser letzter Arbeitstag im Bananenshed. Die drei Monate hier sind zwar relativ schnell vergangen, aber es wird trotzdem Zeit, dass wir jetzt endlich weiter fahren und wieder neue Eindrücke sammeln können.

Gestern haben wir mit Johanna und René, die ja auch ihren letzten Arbeitstag hatten, ein leckeres BBQ gemacht und ein bisschen was getrunken. Es gab ein Kilo Prawns (Garnelen) und Kängurufleisch. Die Prawns haben wir auf dem BBQ gemacht. Außer Chris haben uns die Prawns allen richtig gut geschmeckt. Was nur genervt hat, war das Schaleabpulen und Darmrausfummeln. Das Kängurufleisch war auch ganz gut. Total zart und absolut ohne Fett. Könnte ab jetzt Chris Lieblingsfleisch sein.

Heute haben wir das Auto und das Zelt geputzt, unsere Papiere vom Shed abgeholt und Vivi und Muse ein kleines Abschiedsgeschenk vorbei gebracht. Morgen geht es dann zusammen mit Johanna und René weiter nach Monkey Mia.

Die letzten Wochen hier in Carnarvon waren nicht besonders aufregend. Wir haben von Montag bis Freitag gearbeitet, nach der Arbeit was gegessen und uns meistens mit Johanna und René unterhalten, sind dann ins Bett gegangen und haben noch gelesen oder irgendwas am Laptop gemacht. Aus der Laundry haben wir zwei Bücher „Angelas Ashes“ von Frank McCourt und „The Perk“ von Mark Gimenez mitgenommen und gelesen. Die waren nicht schlecht.

Ein paar kleine Highlights gab’s aber auch noch. Wir waren zum Beispiel einen Samstagabend (22.11.2008) bei Vivi und Muse zum taiwanesischen Abendessen eingeladen. Als wir ankamen, stand erstmal ein großer Topf auf dem Herd, in dem ein zerrupftes Huhn und große schwarze Pilze schwammen. Ich dachte schon, ich werde diesen Abend wohl nicht satt werden. Das restliche Essen (viel Omelett und Sojasachen) war aber wirklich gut und lecker. Generell ist am taiwanesischen Essen aber für unseren Geschmack zu wenig Salz. Luana und Paolo kamen auch vorbei und der Abend war sehr lustig. Vivi und Muse wohnen in einem so genannten Share-House – also ein Haus, das man sich mit anderen Leuten teilt. Der Besitzer ist ein Farmer mit Bananeplantagen, Mangobäumen und anderem Obst und Gemüsesorten. Witzig war, dass dort Mitte November schon ein Weihnachtsbaum stand und das bei 30°C. An uns wird Weihnachten dieses Jahr wohl einfach vorbei rauschen. Auch wenn es hier ähnliche Weihnachtssachen und Weihnachtsmusik wie bei uns gibt, kommt bei uns keine Weihnachtsstimmung auf. In Taiwan und den meisten anderen asiatischen Ländern gibt es gar kein Weihnachten und in Italien feiert man Weihnachten im Norden anders als im Süden. In Rom feiert man am 24.12. mit Weihnachtsessen und um Mitternacht gibt’s Geschenke. In Mailand feiert man dagegen, ähnlich wie in den USA, am 25.12. Man stellt da am 24. abends ein Glas Milch für den Weihnachtsmann hin und am nächsten morgen ist das Glas leer und die Geschenke liegen unter dem Baum.

An einem anderen Abend kam der Fridtjov, ja diesen Namen gibt es wirklich, auf den Caravan-Park. Ein sehr kommunikativer, offener Mensch, der sich aber leider ein wenig zu gerne selber reden hört und ein Pfarrerssohn ist. Auf jeden Fall kam durch Friedtjov eine gemütliche Runde in dem Pavillon vor unserem Zelt zusammen. Chris und ich haben Victoria Bitter getrunken - das schmeckt recht gut. Bei Johanna, René und Fridtjov gab es Pure Blonde - das ist ein Bier mit wenig Kalorien und schmeckt auch ganz gut. Später kamen dann noch zwei Kanadier dazu, die ein westaustralisches Bier namens Little Creatures getrunken haben. Das schmeckt aber absolut ekelhaft. Wir dachten schon, dass das Chris Bier wird, weil der Name passt und die Brauerei in der Chris’s Road ist, aber das Bier geht echt gar nicht. Die beiden Kanadier (nagut einer war Amerikaner, der aber in Kanada lebt) waren ziemlich cool. Sie arbeiten in Vancouver als Special Effects Macher und fahren jetzt ein paar Wochen mit dem Motorrad durch Australien.

Der Abend war jedenfalls sehr süffig und lustig. Dumm nur, dass das ausgerechnet ein Dienstag (18.11.) war und wir am Mittwoch früh wieder arbeiten mussten – theoretisch. Wir hatten aber am nächsten Morgen so einen Kater, dass wir uns auf Arbeit krank melden mussten. So sind uns mal eben 200A$ flöten gegangen - teures Bier. Wir sind aber auch ein paar Weicheier, Johanna und René standen am nächsten Morgen wieder um sieben im Tomatenshed stramm.

Zwischendurch waren wir mit Lu und Paolo in einer Nacht und Nebel-Aktion auch Melonen klauen. Als wir uns gerade für eine große, bestimmt 15 Kilo schwere Melone entschieden hatten, fielen auf einmal 2 Schüsse. Wir haben uns die Melone geschnappt und uns schnell aus dem Staub gemacht. Wahrscheinlich hat der Farmer uns gesehen und in die Luft geschossen. Nächstes Mal müssen wir uns schwarze Klamotten anziehen, Tarnfarbe ins Gesicht schmieren und auf dem Bauch durch’s Feld robben. Die Melone kann man ja dann mit dem Kopf, bzw. der Nase, vorwärts rollen – müsste klappen!

Naja Lu und Paolo haben letzten Freitag ja leider schon aufgehört, weil Ihnen nahe gelegt wurde, früher zu gehen. Sie waren wohl etwas langsam.

Ansonsten waren wir an einem Sonntag mit Johanna und René noch mal an den Blow Holes und haben versucht, von den Klippen aus zu angeln. War aber leider nicht so erfolgreich. Bis auf ein paar wirklich schöne, bunte Papageienfische haben wir, oder besser René und Chris, nichts gefangen. Viele Seeigel gibt es dort im Wasser von denen uns Vivi und Muse erzählt haben, dass sie in Taiwan sehr beliebt und teuer sind. Man muss sie wohl frisch aus dem Wasser nehmen, aufschneiden und essen. Na ich weiß ja nicht.

Auf der „Broken Jetty“ waren wir auch noch zweimal angeln, aber diesmal mit wenig Erfolg. Den einen Tag haben wir aber zwei Tigerhaie dort direkt an der Jetty gesehen. Der eine war bestimmt zwei Meter groß. Da wird einem schon mulmig, wenn man auf so einem klapprigen Steg steht und direkt unter einem so große schwarze Schatten schwimmen.

Der Nachbar von Johanna und René hat wohl erzählt, dass ein anderer Typ hier auf dem Caravan-Park von einer Brown-Snake gebissen wurde, sofort ins Krankenhaus musste und ein paar Wochen flach lag. Gut, dass es hier überhaupt ein Krankenhaus in der Nähe gibt. In den Nachrichten kam letztens auch ein Bericht über einen Camper, der in Queensland an einem Fluss auf einem ausgewiesenen Spot gecampt hat und von einem Krokodil gefressen wurde. Seine Frau hat ihn vermisst gemeldet und die Suchtrupps haben seine Badelatschen und die Kamera gefunden. Den Ehering haben sie dann im Magen von einem Krokodil gefunden. So selten sind solche Unfälle hier wohl doch nicht.

Eine weitere häufige Todesursache hier ist Selbstmord, vor allem im Outback. Die Regierung verschickt auch im Moment kostenlose Informations-DVDs zum Thema Depression und im Radio laufen Spots, in denen die Nummer vom Sorgentelefon angegeben wird. Außerdem laufen im Radio hier auffällig viele Werbespots zum Thema Erektionsprobleme.

Diese Woche hatten wir noch eine interessante Begegnung auf dem Caravan-Park: Lloyd – eine kletternde, Prima-Ballerina aus Trier mit dem Entdeckungsdrank von Steve Irvin und indonesischen Wurzeln. Er schneidet hier für 3 bis 4 Tage Hecken und entdeckt dabei so einige Gestalten im Gestrüpp. Zum Beispiel, und darauf sind wir total neidisch, eine Tannenzapfenechse. Das sind dicke Echsen mit großen Schuppen wo man anfangs gar nicht weiß, wo vorne und hinten ist. Er hat das Ding auch gleich angefasst und Fotos und Videos à la Steve Irvin gemacht. Sah aber echt hübsch und aufregend aus. Leider hat seine Tierliebe fast dazu geführt, dass er dem Haus-Huhn beinahe das Genick gebrochen hätte, als er es gepackt und hoch geschmissen hat, um zu gucken, ob es fliegen kann.

Ja das Huhn hat es hier nicht leicht. Es mag Johanna und René ganz besonders gern und macht es sich immer bei den Beiden im Vorzelt gemütlich. Leider wird diese Liebe nicht erwidert. Im Gegenteil, René hat einen hinterlistigen Mordanschlag auf das arme hilflose Huhn verübt und eine Axt nach ihm geworfen. Dabei hat sich das Hühnchen ein Bein gebrochen oder zumindest verstaucht und humpelt seitdem. Naja es ist ja auch nicht schön, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, nichts ahnend das Zelt aufmacht und einem ein gackerndes Huhn entgegen fliegt.

Von Lloyd haben wir auch noch gelernt, wie man ohne Münzen die Waschmaschinen in Gang bekommt. Einfach mit Ku-Tipps die Kontakte rein drücken. Man braucht zwar ein bisschen Übung, aber so lässt sich gut Geld sparen.

Eigentlich wollten wir in unserer Carnarvon Zeit ja auch noch mal nach Coral Bay ans Ningaloo Reef fahren, um mit Mantarochen zu Schnorcheln. Irgendwie haben wir das aber immer wieder verschoben. Deshalb gibt es keinen extra Eintrag zum Ningaloo Reef und nur hier ein paar Zeilen.

Wir waren ja bevor wir nach Carnarvon gekommen sind schon ein paar Tage in Exmouth, da war das Wetter aber leider nicht so schön und wir sind gar nicht erst in den Cape Range Nationalpark (da wo man im Ningaloo Reef schnorcheln kann) gefahren. Dafür waren wir aber in Coral Bay schnorcheln, was auch sehr schön war - viele bunte Fisch und das keine 2 Meter vom Strand entfernt.

Am 26. September war hier in Western Australia Feiertag. Es wurde der Geburtstag der Queen gefeiert, auch wenn die an einem ganz anderen Tag Geburtstag hat. Western Australia kann sich einen Tag im Jahr aussuchen, wann dieser Geburtstag gefeiert werden soll – eigenartig. Jedenfalls hatten wir so einen Freitag frei und sind dann über’s Wochenende in den Cape Range Nationalpark gefahren. Für den Park mussten wir 10A$ Eintritt zahlen und noch mal 13A$ für das Bushcamp (Platz am Meer mit Plumpsklo). Schnorcheln waren wir hauptsächlich in der Turquoise Bay. Das ist der schönste Strand und der Ort mit den wenigsten Strömungen. Man hätte denken können, dass es hier von Touristen überlaufen wäre, aber selbst hier war es relativ ruhig und auch die Korallen waren nicht zertrampelt oder abgebrochen. So konnten wir wieder unzählige bunte Fische und viele Seesterne und Seegurken sehen. Leider hat sich keine Schildkröte blicken lassen, aber die haben wir ja an der „Broken Jetty“ gesehen. Im Cape Range Nationalpark selbst haben wir auch viele Kängurus und Emus gesehen. Auch einen Emuvater mit seinen vier Küken. Ja, Emumütter legen nur die Eier und verdrücken sich dann. Die Väter brüten sie aus und ziehen die Jungen ein Jahr lang groß.

Am Oyster Creek, einem felsigen Strandabschnitt am Ningaloo Reef, haben wir auch noch einen Autoschlüssel von 2006 aus Melbourne gefunden. 2 – 3 Tage reichen aber locker, um sich Exmouth und das Ningaloo Reef anzugucken.

Morgen fahren wir nun endlich wieder weiter in die Shark Bay, wo wir hoffentlich Delfine, Schildkröten, Haie und Seekühe sehen werden.


Samstag, 13. Dezember 2008

Shark Bay

Am Samstag, den 06.12.2008, war es endlich so weit – wir konnten die letzten Sachen in Carnarvon zusammen packen und das Zelt abbauen, um dann nach 3 Monaten harter Arbeit wieder die wohlverdiente Freiheit zu genießen. Das Zelt stand nun aber schon 3 Monate in der Sonne und der Zeltstoff hat sich an manchen Stellen wie Papier angefühlt. Beim Zusammenlegen ist es dann auch passiert und das Überzelt ist eingerissen. Jetzt müssen wir uns in Perth wohl ein Neues kaufen.

Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten, sind wir zusammen mit Johanna und René Richtung Süden aufgebrochen. Der erste Stopp war Hamelin Pool. Dort gibt es einige der ältesten Lebewesen auf der ganzen Welt – Stromatolithen. Die sehen aus wie Steine und ohne sie hätte sich kein höheres Leben auf unserem Planeten entwickeln können. Jeder Stromatolith besteht aus Millionen von Cyanobakterien, die Wassermoleküle aufspalten und dadurch Sauerstoff freisetzen können. Also würde es uns ohne diese komischen Dinger gar nicht geben. Stromatolithen haben nur an wenigen Orten auf der Erde überleben können. In Shark Bay konnten sie überleben, weil die Salzkonzentration des Wassers dort zweimal so hoch wie im Ozean ist und so Feinde wie Schnecken nicht überleben.

Danach sind wir, nach einem kurzen Stopp im sehr beschaulichen Denham (der westlichsten Stadt auf dem australischen Festland), weiter nach Monkey Mia gefahren. Monkey Mia besteht eigentlich nur aus einem kleinen Ferienresort und einem Visitorcentre. Highlight sind hier die berühmten Delfine von Monkey Mia, die seit den 60er Jahren regelmäßig an den Strand kommen, um gefüttert zu werden. Nachdem die Delfine früher von jedem gefüttert und angefasst werden konnten und die Säuglingssterberate enorm anstieg, weil die Mütter die ganze Zeit in der Bucht waren und nicht ins Meer geschwommen sind, um ihre Jungen zu säugen, wurden die Fütterungen von Rangern übernommen und Regeln aufgestellt. Man darf die Delfine nun nicht mehr anfassen, Fütterungen gibt es nur noch vormittags und es werden im Moment nur 5 Delfine mit einem Drittel vom Tagesbedarf gefüttert. Das sind also nur 2 – 7 Fische pro Fütterung und somit kommt auch nicht jeder Besucher ran. Ich hatte aber Glück und durfte sogar selber einen füttern. Es war echt beeindruckend wilde Delfine so nah sehen zu können.

Am Sonntagnachmittag haben wir eine Wildlife Segeltour gemacht auf der man neben Delfinen, Haien, Schildkröten und Rochen auch die seltenen Dugongs (Seekühe) sehen sollte. Wir haben allerdings nur Dugongs gesehen und das auch nur 10 bis 50 Meter entfernt. War trotzdem interessant diese Tiere, durch die auch der Meerjungfrauen-Mythos entstand, in freier Wildbahn zu sehen. Schildkröten haben wir direkt in Monkey Mia von einer kleinen Jetty aus hautnah beobachten können. Schildkröten sind echt schöne Tiere. Gehören jetzt auch zu meinen Lieblingstieren. Wenn Schildkröten mit dem Kopf aus dem Wasser gucken, hört man sie richtig Luft holen. Chris und René haben abends dann noch geangelt, aber bis auf einen kleinen Blowfish (oder so ähnlich) nichts gefangen.

Am Montag sind wir in den Francois Peron Nationalpark oberhalb von Denham gefahren. Der Nationalpark liegt auf einer Halbinsel und besteht aus Buschland, schönen Küsten- und Strandabschnitten und ganz viel rotem Sand. Am Eingang zum Nationalpark mussten wir erstmal Luft aus den Reifen lassen. Die erste Nacht haben wir an der Big Lagoon gecampt. Eine schöne blaue Lagune in der man wohl gut Pink Snapper (sehr teurer und guter Fisch in Australien) fangen kann. Ist ja klar was Chris und René dann den ganzen Tag gemacht haben. Leider gab es trotzdem keinen Fisch sondern nur halb rohe Bratkartoffeln zum Abendbrot.

Am nächsten morgen stand der Ranger früh auf der Matte und hat den Eintrittspreis und die Campinggebühren für den Nationalpark kassiert (10A$ Eintritt / Fahrzeug; 6,50A$ Campinggebühr pro Nacht und Person). Die Eintrittsgebühren wirft man im Nationalpark eigentlich einfach vorne in einen Umschlag und füllt einen Zettel aus. Da wir aber kein passendes Geld hatten und auch ein bisschen sparen wollten, hatten wir das diesmal nicht gemacht. Jedenfalls hat der Ranger dann nur eine Nacht kassiert und auch gleich noch mal das doppelte an Luft aus den Reifen gelassen, was wir schon runter hatten. Man man wenn wir jetzt dran denken, dass wir auf Fraser Island mit vollem Luftdruck gefahren sind. Naja, man lernt ja nie aus.

Nachdem wir unseren ganzen Hausrat wieder im Auto verstaut hatten, sind wir weiter zur Spitze der Peron-Halbinsel gefahren. Wir haben für die ca. 30km fast 2 Stunden gebraucht und uns kam nur einmal ein anderes Auto entgegen. Auf dem Weg haben wir auch ein paar kleine und größere Echsen gesehen. Als wir an der Spitze angekommen sind, haben wir eine kurze Wanderung zum Skippoint gemacht. Dort gibt es eine Aussichtsplattform auf den Klippen, von der aus man Delfine beim Jagen, Haie, Rochen und Kormorane beobachten kann. Das waren für mich wieder Eindrücke, die hoffentlich ewig hängen bleiben. Am Strand gab es da oben an der Spitze echt viele Kormorane, die extrem gestunken haben.

Die zweite Nacht im Nationalpark wollten wir an der Bottle Bay verbringen, weil der Ranger uns erzählt hatte, dass man dort auch gut Fische fangen kann und wir am Strand schlafen können. Am Strand schlafen hört sich doch gut an, also sind wir mit beiden Autos auf den Strand gefahren und René hat sich nach 200 Metern das erste Mal festgefahren. Mit einfach nur Freibuddeln war bei dem weichen Sand nichts zu machen und beim Versuch raus zu fahren, ist der Sand nur so geflogen. Nachdem wir dann aber Steine unter die Reifen gepackt und ordentlich geschoben haben, war „Bob Freedom“ (so heißt der Pajero von Johanna und René) wieder draußen. Nach dieser Aktion haben wir uns dazu entschieden doch nicht am Strand zu schlafen und wollten wieder vom Strand runter fahren. Dabei hat sich René aber das zweite Mal festgefahren und kurze Zeit später haben auch wir festgesteckt. Am Anfang fand ich das ja noch alles ganz lustig, aber als wir nach einer halben Stunde buddeln, schieben und vor und zurück gurken, immer noch im Sand gesteckt haben, kam langsam Verzweiflung auf. Vor allem weil den ganzen Tag dort kein anderes Auto vorbeikam. Irgendwie ist René dann doch raus gekommen und wir mussten nur noch olle Manny befreien. Wir standen auch immer nur ca. 3 Meter vom festeren Sand entfernt, aber soweit hat das Abschleppseil nicht gereicht und das Auto ist einfach nicht weiter vorwärts gekommen. Nach ca. 1 ½ Stunden standen wir dann so, dass wir das Abschleppseil ans Auto machen und auch olle Manny aus dem Sand ziehen konnten. Das war dann auch dringend nötig, weil sich unser Motor schon überhitzt hatte und die Warnleuchte an war. Naja, wenn man schon einen 4WD hat, muss man sich auch mal festfahren. Einmal reicht aber und ich hoffe, dass uns das so nicht noch mal passiert.

Nach der ganzen Aufregung sind René und Chris natürlich wieder auf Pink Snapperjagt gegangen und haben diesmal auch echt einen gefangen.

Dienstag sind wir dann wieder raus aus dem Nationalpark gefahren, haben in Denham die Reifen aufgepumpt, noch ein paar Sachen eingekauft und sind dann zum Shell Beach gefahren. Der Shell Beach besteht komplett aus kleinen Muscheln, teilweise bis zu 5 Meter tief, und ist total weiß. Mit der Zeit verhärten sich die Muscheln und es wurden früher, Muschelblöcke aus dem Strand geschlagen und damit Häuser gebaut. In Denham gibt es zum Beispiel das „Old Pearler Restaurant“, das komplett aus diesen Blöcken gebaut wurde.

Nachdem wir 2 Tage nicht duschen waren, haben wir an einem Road House geduscht und sind dann noch kurz bis vor den Kalbarri Nationalpark gefahren. Da haben wir am Highway auf einer sehr schönen Rest Area mit Feuerstellen direkt am Murchison River geschlafen.

Noch was Interessantes zur Aborigine-Geschichte. Von der Shark Bay bis Carnarvon erstrecken sich zwei Inseln: Bernier und Dorre Island, die elf Jahre lang, von 1908-1919, als Heim und Sterbeplatz für geschlechtskranke Aborigines dienten. Die Geschlechtskrankheiten wurden von den Briten eingeschleppt und wegen dem Mangel an weißen Frauen vor allem unter den Ureinwohnern verbreitet. Weil man die Krankheiten Anfang des 20. Jahrhunderts noch nicht im Griff hatte, wollte man die infizierten Aborigines einfach möglichst weit weg abschieben. Die Männer brachte man auf Bernier Island und die Frauen auf Dorre Island. Ein Krankenhaus gab es nur auf Dorre Island und die Männer auf Bernier Island waren sich zum größten Teil selbst überlassen. Wer krank war und abgeschoben werden musste, entschieden Polizeiinspektoren ohne jegliche medizinische Kenntnisse.


Montag, 22. Dezember 2008

Kalbarri – Geraldton – Pinnacles

Am Donnerstag, den 11.12.2008, haben wir uns den Kalbarri Nationalpark angeschaut. Dort gibt es Schluchten und Felsen aus Sandstein – ähnlich wie beim Kings Canyon. Durch die Schluchten fließt der Murchison River auf dem schwarze Schwäne, das Wappentier von Western Australia, wohnen.

Die größte Sehenswürdigkeit im Kalbarri Nationalpark ist das „Natures Window“. Ein Rahmen aus Sandstein der aussieht wie ein Fenster mit Blick ins Tal und auf den Fluss. Die Stadt Kalbarri liegt an der Küste und ist ein sehr hübscher Ferienort und auch der perfekte Ausgangspunkt um sich den Nationalpark und die Küste anzuschauen. An der Küste gibt es einen Wanderweg an den Klippen entlang, der an vielen schönen Stellen, wie zum Beispiel der „Natural Bridge“ vorbei führt.

Nachdem wir uns den Nationalpark und die Küste angeschaut hatten, sind wir weiter in Richtung Hutt River Province gefahren. Dort hat der Farmer Leonard George Casley aus Ärger über die Weizenexportquote von Western Australia sein eigenes Land gegründet, indem er 1970 aus dem Commonwealth austrat und sich selbst zum Prince Leonard of Hutt ernannte. Das war damals aufgrund einer Gesetzeslücke möglich, die Bürgern bei wirtschaftlicher Not und drohendem Landverlust ermöglichte, eine selbstverwaltete Regierung zu gründen. Heute hat der Prinz 13.000 Untertanen – Leute die bei ihm für 250 A$ einen 5-Jahres-Pass gekauft haben. Im „Land“ selbst wohnen 20 Bürger, die keine Steuern zahlen müssen, dafür aber auch keine Zuwendungen vom australischen Staat bekommen. Die Hutt River Province hat sogar einige Konsulate über die ganze Welt verteilt. Prince Leonard persönlich hat uns sein Reich gezeigt und natürlich auch den eigentlichen Grund unserer halbstündigen Fahrt über eine Schotterpiste gegeben – einen Stempel im Reisepass. Außerdem haben wir uns Briefmarken und Geldscheine der Hutt River Province gekauft. Wir können wohl noch froh sein, den Prinzen persönlich getroffen zu haben, ganz fit sah er nämlich nicht mehr aus. Auch die Prinzessin war klein und hatte einen Buckel.

Danach sind wir weiter nach Geraldton gefahren und haben als erstes bei McDonalds angehalten und nach echt langer Zeit mal wieder einen Burger gegessen.

Da es schon etwas später war, hatten wir bei den Campingplätzen in Geraldton nicht mehr so viel Auswahl, weil die meisten schon geschlossen hatten. Praktisch war, dass Paul und Kathy, die Nachbarn von Johanna und René aus Carnarvon, die uns auch beim Filetieren der Fische geholfen haben, jetzt auf einem Caravan Park in Geraldton arbeiten. Dort haben wir dann eingecheckt und Paul hat Johanna und René geholfen die Bremsklötze und Stoßdämpfer bei ihrem Auto auszutauschen. Schon krass, dass das Auto mit total abgenutzten Bremsklötzen und kaputten Stoßdämpfern gerade mal zwei Wochen vorher den TÜV bekommen hat. In Western Australia sind sie da nicht so genau.

In Geraldton waren wir angeln, haben uns die Stadt angeguckt, ein bisschen gebummelt, im Meer gebadet und eine Langustenfabrik besucht.

Zwischenzeitlich haben sich Johanna und René auch mal für 2 – 3 Stunden getrennt und wir wären beinahe zu dritt weiter gefahren. Das hat sich aber zum Glück alles wieder eingerenkt.

Nachdem das Auto von Johanna und René repariert war, sind wir am Dienstag weiter in den Süden nach Cervantes und zu den Pinnacles gefahren. Die Pinnacles sind bis zu 3 Meter hohe verwitterte Kalksteinfelsen, die es bei Cervantes im Nambung Nationalpark zu Hunderten gibt. Wir fanden sie alle ein bisschen langweilig, haben ein paar Fotos gemacht und wollten dann noch ein Stückchen weiter Richtung Perth fahren. Johanna und René wollten nicht den langweiligen Highway, sondern lieber eine 4WD-Strecke an der Küste lang fahren. Das hat sich auch alles gut angehört und deshalb wollten auch wir diese Strecke nehmen. Allerdings haben wir nach den ersten 2km wieder umgedreht, weil die Straße echt zu schlecht war und wir uns nicht kurz vor dem TÜV irgendwas am Auto kaputt machen wollten. Johanna und René sind weiter gefahren und wir wollten uns ca. 80km vor Perth auf einem Rastplatz treffen und dort schlafen. Als wir wieder am Anfang der 4WD-Strecke ankamen, haben wir uns das Eingangsschild noch mal durchgelesen und festgestellt, dass diese Strecke hauptsächlich ein Militärübungsgelände ist und nur befugte Fahrzeuge dort lang fahren dürfen. Das konnten wir Johanna und René aber nicht mehr mitteilen, weil wir mal wieder keinen Handyempfang hatten.

Als wir auf dem verabredeten Rastplatz ankamen war es schon 22.00 Uhr und total finster. Johanna und René waren nicht da. Die Nacht war ziemlich unheimlich und ich habe mit einem Messer unter’m Kopfkissen geschlafen.

Am nächsten Morgen sind wir dann weiter nach Perth gefahren und haben schon überlegt, wann wir die Polizei informieren sollten, weil wir von Johanna und René nichts gehört haben. Kurze Zeit später hatten die Beiden dann aber wieder Handyempfang und haben uns erzählt, dass sie auf der Strecke auf einmal vor einer riesen Düne, an der sie nicht vorbeigekommen sind. An der Strecke standen wohl auch drei Holzkreuze und die Beiden haben noch schlechter geschlafen als wir. Sie sind dann den ganzen Weg wieder zurück gefahren und über den Highway nach Perth.

In Perth waren die meisten Campingplätze schon voll. Wir haben nur noch in Fremantle, einem sehr schönen Vorort von Perth, was bekommen, allerdings ziemlich teuer.

Am Mittwoch, den 17.12.2008, hatte Johanna Geburtstag und abends gab’s Pizza und Bier.

In Fremantle haben wir einen echt geilen Didgeridoo-Laden entdeckt und auch eine kleine gratis Einführung in die Kunst des Didgeridoospielens bekommen. Chris und René haben auch echt ein paar Töne raus bekommen. Das mit dem Atmen ist dabei aber echt schwer. In dem Laden waren wir am nächsten Abend auch auf einem Didgeridoo-Konzert. Der kleine Laden war total voll und die Musik, die manche Leute mit einem Didge machen konnten, war echt genial.

Den TÜV, oder besser das Road Worthy Certificate, für unser Auto haben wir übrigens ohne Probleme bekommen. Wir hatten wohl Glück mit unserem TÜV-Prüfer. Ich glaube der hatte ein Herz für Backpacker und ein Auge zugedrückt. Wobei unser Auto ja schon in gutem Zustand ist. Der ganze Papierkram, um die New South Wales Registrierung in Western Australia zu verlängern, ist aber schon ganz schön kompliziert und nervenaufreibend. Wir werden jetzt noch einen neuen Service machen lassen und dann war’s das hoffentlich erstmal bis Sydney.

Auf Dauer wurde uns der Campingplatz in Fremantle zu teuer. Deshalb sind wir jetzt nach Rockingham, ca. 50km südlich von Perth gefahren und bleiben erstmal für eine Woche hier. Zum Shoppen und zu Weihnachten können wir ja schnell nach Perth rein fahren. Zu Silvester werden wir sicher eh nicht viel schlafen und uns dann einfach mit dem Auto an den Strand stellen.