August 2008


Sonntag, 03. August 2008

Schluss mit lustig!!!

Am Sonntag sind wir dann vom Eungella Nationalpark weiter in den Norden gefahren und haben uns auf dem Weg kurz Airlie Beach angeschaut. Airlie Beach ist eine totale Touristenstadt, sieht aber zur Abwechslung mal richtig modern aus. Es gibt hier viele Hostels und Backpackerläden und abends kann man gut Party machen. Außerdem starten von Airlie Beach einige Segelschiffe zu den Whitsunday Islands und zum Great Barrier Reef. Der Wetterbericht hatte aber Regen für die nächsten Tage angesagt und wir haben uns deshalb dazu entschieden, in Cairns zum Great Barrier Reef zu fahren.

Von Airlie Beach aus sind wir dann nach Bowen gefahren, weil wir sicher waren, dass man dort das ganze Jahr über gut Arbeit findet. Wir haben uns dann auf einem Campingplatz eingemietet und haben uns an diesem Tag geschworen, alle Campingplätze auf denen wir ab jetzt sind, vor dem bezahlen anzuschauen. Die einfachen Stellplätze auf diesem Campingplatz (ohne Strom und Wasser) waren auf einem trockenen, stacheligen Feld. Die Klos waren ca. 5 Minuten zu Fuß entfernt und es hat nur so von Moskitos und Gnitzen gewimmelt. Chris Arme sahen am nächsten Tag echt schlimm aus, überall rote Punkte. Außerdem ist uns aufgefallen, dass außer uns fast nur noch Asiaten auf dem Platz waren. Das WLan, für das wir teuer Geld bezahlt haben, hat auch nur direkt vor der Rezeption funktioniert und die Besitzerin war genervt und schlecht gelaunt. Ach ja und dann war da noch ein Typ, der die ganze Zeit neben seinem Zelt im Auto saß und geradeaus ins Nichts gestarrt hat. Als es dann langsam dunkel wurde, ist er mit seinem Rucksack durch das hohe Gras irgendwo hin gelaufen. Wahrscheinlich hat er da was gejagt oder so. Man kann sich jetzt noch mehr gruselige Geschichten ausdenken, aber lieber nicht, dann kann ich wieder nicht schlafen und Chris ja dann auch nicht.

Die Stadt selbst ist total tot. Wir haben kaum Menschen auf der Straße gesehen. Bowen bestand auch nur aus einer Art Hauptstraße und einigen kleineren Straßen. Außerdem gab es noch einen Minihafen. Der war aber auch nicht besonders schön und los war da auch nichts. Was uns deshalb echt erstaunt hat war, dass der Film „Australia“ mit Nicole Kidman dort gedreht wurde.

Am Sonntag hatten wir noch in der Touristeninfo in Bowen gefragt, wie man hier am besten an Arbeit kommt. Die sehr nette Dame hat uns einen Plan von der Stadt gegeben und die Arbeitsvermittler eingezeichnet. Außerdem sollten wir die Farmen alle einzeln abklappern und fragen, ob jemand Arbeiter braucht. Sie meinte aber auch, dass es im Moment eher schlecht aussieht, weil das Wetter nicht gut war und es die nächsten Tage auch Regnen soll.

Am Montag waren wir dann jedenfalls in einer Art Arbeitsamt. Vor uns war ein Pärchen mit Aborigine-Abstammung dran. Die sahen total dreckig aus, waren barfuß und haben sich echt daneben benommen. Leider sieht man das hier häufiger. Die Australier sind auch nicht gut auf die Aborigines zu sprechen, weil diese halt viel trinken und kriminell werden. Die Ureinwohner Australiens gehören zum ärmsten Teil der australischen Gesellschaft, haben die schlechteste medizinische Versorgung, sitzen von allen Gesellschaftsschichten am häufigsten im Gefängnis und ihre Lebenserwartung liegt im Durchschnitt 20 Jahre unter der der weißen Bevölkerung. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass zum Beispiel erst in den 80er Jahren die Rassentrennung in den Schulen aufgehoben wurde und die Aborigines die deutlich schlechtere Bildung bekommen haben. Bis in die 70er Jahre wurden den Aborigines noch ihre Kinder weggenommen, um sie an die weiße Gesellschaft anzupassen. 38% der Arbeitslosen in Australien sind Aborigines (Arbeitslosenquote gesamt lag 2007 bei 4,5%), aber viele Arbeitgeber stellen auch keine Aborigines ein.

Nachdem uns dann gesagt wurde, dass es im Moment wegen dem Wetter keine Arbeit gibt, wir uns aber in eine Liste eintragen können und wir angerufen werden, wenn Arbeiter gebraucht werden, haben wir uns entschlossen, weiter nach Ayr zu fahren. Dort soll auch viel Landwirtschaft betrieben werden.

In Ayr und auch in Home Hill wurde uns dann auch das Gleiche wie in Bowen erzählt. Die einzige Möglichkeit wäre hier dann noch über Hostels gewesen. Nachdem wir uns dort schlau gemacht haben und die uns auch keinen Job garantieren konnten, aber eine Schweinemiete kassiert hätten, sind wir weiter gefahren.

An dem Montag haben wir uns dann noch Townsville angeschaut. Townsville hat eine schöne Uferpromenade und ist sonst recht klein. Von November bis Mai haben die hier an der Ostküste totale Probleme mit Box Jelly Fish, das sind ziemlich giftige Quallen. In Townsville standen am Wasser überall Warntafeln und Essigbehälter rum. Wenn einen die Tentakel von so einer Qualle erwischen, soll man am besten Essig drüber schütten und sich wenig bewegen.

Kurz hinter Townsville gibt es ein kleines Örtchen namens Saunders Beach. Dank unserem Campingguide wissen wir, dass man dort an einer Stelle kostenlos campen kann. Wir haben uns also auf den Weg dorthin gemacht und die Plätze waren abends schon ziemlich rar. Der Platz war direkt am Meer mit zwei schönen BBQ-Plätzen. Der Nachteil waren aber die Klos. Die waren natürlich nicht sehr sauber. Wird ja auch keiner dafür bezahlt, die zu putzen, wie auf einem Campingplatz. Schlimmer war aber, dass auf dem Frauenklo das Licht nicht ging und man im Dunkeln da nicht rauf gehen konnte. Da ich vor dem Schlafengehen aber noch mal musste, wollte ich auf’s Männerklo gehen, weil das Licht dort ging. Als ich einen Blick in das Klo geworfen habe, lag da was Braunes drin. Ich hab mich erstmal angeekelt weggedreht und beim zweiten Blick habe ich erkannt, dass es ein Frosch war. Oh man, zum Glück hab ich vorher noch mal ins Klo geguckt. Geduscht haben wir dann am nächsten Tag an einer Tankstelle. War echt ok. Werden wir jetzt wohl öfter so machen.

Dienstag haben wir, auf dem Weg in den Norden, noch in Tully angehalten, weil hier auch Arbeiter gebraucht werden. Das sagt zumindest der Harvest Guide. Tullys Sehenswürdigkeiten sind eine Zuckermühle und der „Golden Gumboot“. Das ist ein goldener Gummistiefel, auf den man rauf gehen kann und von oben die Zuckermühle fotografieren kann. Der Gummistiefel steht für Tully als der nasseste Platz Australiens. Dienstag hatte es immer mal wieder geregnet und als wir uns wegen Arbeit umgehört haben, hat jeder nur gesagt: bei Regen pflücken die Farmen nicht. Weil das Wetter die letzen Tage so schlecht war, hatte sogar die Zuckermühle aufgehört zu arbeiten. Normalerweise hätte man die Zuckermühle auch besichtigen können, das ging dann bei uns leider nicht.

In einem Hostel, wo wir nach Arbeit gefragt haben, hätten sie für 4 Mädels Arbeit auf einer Bananenplantage ab dem nächsten Montag gehabt. Für Männer sei im Moment nichts zu bekommen.

Wir sind dann weiter die Cassowary Coast über Misson Beach nach Innisfail gefahren. Da haben wir in der Touristeninfo eine Liste mit Farmen aus der Umgebung bekommen. Die haben wir dann auch abtelefoniert, aber keiner brauchte Leute. Zum Schluss haben wir dann noch mal den National Harvest Guide angerufen und die hatten vor 10 Minuten gerade einen Anruf von einer Farm aus Mareeba bekommen. Der Mann vom Harvest Guide hat mich dann direkt mit der Farm verbunden und die Frau an der anderen Seite hat uns erstmal gefragt, ob wir schon mal Erntearbeit gemacht haben. Als wir das verneint haben, war sie schon etwas skeptisch und hat uns erzählt, dass das harte Arbeit sei und man 20 – 30 Kilo schleppen können muss und das ohne Pause. Hmmm... das ist zwar fast die Hälfte von dem was ich wiege und besonders fit sind Chris und ich auch nicht aber: Na Klar! Gar kein Problem! Wenn wir zwischendurch mal was essen können, kein Ding! Das scheint die Frau, Kirsty heißt sie übrigens, überzeugt zu haben und sie meinte wir sollen am nächsten Tag vorbeikommen und uns Gummistiefel und alte Klamotten aus dem Secondhandladen kaufen. Wir waren erstmal erleichtert, dass wir jetzt scheinbar einen Job haben, auch wenn wir Angst davor hatten, dass der Job auf einer Bananenplantage ist. Das soll echt der härteste Job sein. Von anderen Backpackern haben wir auch gehört, dass es auf Bananenplantagen immer ganz viel Spinnen und Ratten gibt. Naja abwarten. Jedenfalls haben wir uns dann mit Gummistiefeln und billigen Klamotten eingedeckt und sind die 230km von Innisfail nach Mareeba gefahren.

In Mareeba sind wir dann im Dunkeln angekommen und haben auf dem Riverside Caravanpark eingecheckt. Am nächsten Morgen hat der Wecker dann um fünf geklingelt und wir haben uns nach dem Frühstück auf den Weg zur Farm gemacht. Diese war ca. 15 Autominuten entfernt. Kirsty und ihr Mann Veni haben uns begrüßt und waren super sympathisch. Wir waren auch extrem erleichtert, dass wir keine Bananenplantage vorgefunden haben. Auf der Farm gab es nur Mangos, Avocados, Limetten, Zucchinis und Squash. Die letzen Beiden haben wir gepflückt. Squash haben wir in Deutschland noch nie gesehen. Die sind gelb und rund und sehen ein kleines bisschen aus wie Kürbisse, schmecken aber wie Zucchini.

Außer uns waren noch 7 andere Backpacker da: Tina und Stephan aus Deutschland, Emelie aus Belgien, Amelie aus Frankreich und Dale aus Australien (die Beiden haben sich in den USA kennen gelernt und machen jetzt Farmarbeit, damit Amelie ein zweites Working Holiday Visum beantragen kann) und dann waren da noch Andy und Leanne aus England. So was wie Festangestellte hatte die Farm auch: Debbie - Ende 30, hat den ganzen Tag auf dem Harvester Zucchinis gepflückt; Kate – Ende 20, immer gut drauf, hat verschiedene Arbeiten gemacht; Emma – Ende 40, die Frau im Shed, also für’s Packen verantwortlich. Emma war aus England und irgendwie ekelig. Sie war klein, dünn und schrumpelig und hat ihren Müll in den Pausen immer liegen lassen. In der „Morning Tea“ Pause hat sie sich Weintrauben im Sekundentakt rein geschoben und ohne Pause, oder mal auf die Weintrauben zu schauen , erzählt. Und das mit ihrem schrecklichen Dialekt. Dabei hatte sie dann immer noch Sabber in den Mundwinkeln und man konnte froh sein, wenn man ihr nicht gegenüber saß.

Nach einer kurzen Einweisung sind wir dann auf die Ladefläche von einem kleinen alten Pickup gesprungen und auf’s Zucchinifeld gefahren. Die Zucchinis werden hier mit dem so genannten Harvester gepflückt. Das ist eine große Erntemaschine, in der 6 Leute nebeneinander durch’s Feld laufen und dabei die Zucchinis pflücken können. Man war also ständig in gebückter Haltung, hat alle Zucchinis die über 17cm groß waren mit dem Messer abgeschnitten (ohne dabei andere Pflanzenteile zu verletzen) und hat die Zucchinis dann vor sich in den fahrenden Harvester gepackt. Das musste auch alles noch relativ schnell geschehen, weil man ja in der fahrenden Maschine stand und hinter einem die Räder waren. Das haben wir die kompletten ersten drei Tage gemacht und abends wären wir am liebsten von der Dusche in Auto gekrochen. Ich glaube ich hatte noch nie solche Rückenschmerzen. Schön war auch der Regen an den ersten Tagen. Das Feld war komplett nass und matschig und wir hatten immer Wasser in den Gummistiefeln und nasse Klamotten. Am zweiten Tag hat sich der Harvester auch noch festgefahren und wir mussten ihn über’s komplette Feld wieder raus schieben. So ein Feld ist übrigens so ca. 300 Meter lang und besteht aus 12 Reihen Zucchinipflanzen. Davon hatten die hier 6 Felder. Was ich persönlich auch noch besonders schön fand, waren die kleinen süßen Frösche, die in den Pflanzen rum gesprungen sind, wenn man gerade dort hinfassen wollte. Und wir wissen ja, wo Frösche sind, da sind auch Schlangen!!! Kate hat uns erzählt, dass sie die Woche bevor wir gekommen sind, wahrscheinlich von einer Spinne gebissen wurde. Sie hatte da so eine Stelle am Arm, die wohl total dick geworden ist und geschmerzt hat. Sie musste deshalb sogar einen Tag zu Hause bleiben. Aber offensichtlich war die Spinne nicht sehr giftig. Von dem Zucchinipflücken hatte ich übrigens voll den Ausschlag an den Armen.

Debbie war die Königin des Harvesters. Ich glaube sie arbeitet nicht gerne mit anderen Frauen zusammen. Ich war zwischenzeitlich das einzige Mädchen auf dem Harvester und sie hatte immer irgendwas auszusetzen. Den einen Tag ist sie auch zu Kate gerannt und hat ihr erzählt, dass ich mehrere Zucchinis auf einmal pflücke und dadurch so langsam bin. Wenn aber an einer Pflanze mehrere Zucchinis dran sind, dann bücke ich mich doch lieber einmal und pflücke alle, als wenn ich mich jedes Mal bücke und die Zucchinis einzeln in die Kiste bringe und wieder 2 Schritte zurück zur Pflanze machen. Der Harvester fährt ja schließlich weiter. Wie auch immer. Jedenfalls konnte ich die nächsten Tage dann Squash pflücken. Das war viel angenehmer, weil wir das per Hand und ohne Harvester machen konnten. Danach war ich dann meistens im Shed - der Wasch-, Pack- und Lagerstation. Meine äußerst anspruchsvolle Aufgabe hier war zu beobachten, wie die Zucchinis über Bürsten laufen. Naja, ich musste sie auch richtig hinlegen und aufpassen, dass sie sich nicht drehen, was sie aber ständig gemacht haben. Extrem langweilige Arbeit, aber besser als mit Debbie auf dem Harvester zu sein. Chris hatte die komplette Zeit, die wir auf der Farm waren, das Vergnügen mit Debbie auf dem Harvester zu arbeiten. Er war einfach zu gut. Er konnte sogar den alten Pickup ohne Servolenkung fahren. Nach dem fünften Tag pflücken, hatte er dann auch nicht mehr solche Rückenschmerzen. Er wäre bestimmt „Farmer of the year“ geworden.

Noch kurz was zum Trinkwasser in Australien. Das Wasser aus den Leitungen hier schmeckt oft total nach Chlor und ist wahrscheinlich kein Trinkwasser, auch wenn viele das hier trinken. Auf der Farm hat Kirsty extra darauf hingewiesen, dass man das Wasser aus den Hähnen nicht trinken kann. Dafür gab es aber eine riesen Blechregentonne, aus der wir unsere Flaschen mit Wasser füllen konnten. Hat ganz gut geschmeckt, wenn man nicht darüber nachgedacht hat, dass es Regenwasser war. Aber das ist hier eben normal.

Am Sonntag hatten wir dann einen freien Tag und haben uns Kuranda angeschaut. Das Highlight in Kuranda sind die Märkte, auf denen man viele handgemachte Souvenirs und Schmuck kaufen kann. Ganz in der Nähe sind auch die Barron Falls. Ein ziemlich großer Wasserfall, den man über einen kurzen schönen Wanderweg erreichen kann. Allerdings waren wir ja jetzt in der Trockenzeit dort und fanden sie nicht so spektakulär. Wir können uns aber gut vorstellen, dass es sich in der Regenzeit wirklich lohnt. Wenn man in Cairns ist und Geld hat, sollte man mit der Skyrail über den Regenwald und an den Barron Falls vorbei nach Kuranda fahren. Zurück zu kann man dann eine alte Eisenbahn nehmen, die auch durch den Regenwald und direkt an den Barron Falls vorbei fährt.

Montag bis Freitag haben wir dann weiter auf der Farm gearbeitet. Chris war meist auf dem Harvester und ich im Shed. Mittwoch sind dann noch zwei neue Belgier und eine Französin gekommen. Irgendwie haben wir uns schon gewundert, warum Kirsty so viele Leute einstellt. Am Freitag kam Kirsty dann bei mir an und hat gemeint ich sei doch so klein und schmächtig und mir liegt die Arbeit im Shed mehr, ob ich nicht nur im Shed arbeiten und erst um 09:00 anfangen will. Das würde sich für uns dann aber nicht mehr lohnen. Außerdem haben wir ja nur ein Auto und können nur beide zur selben Zeit anfangen. Wir hatten schon am Mittwoch das Gefühl, dass Kirsty lieber die Leute beschäftigt, die auch in ihrem Arbeiterhaus wohnen und dafür Miete zahlen. Ist ja auch logisch, so muss sie den Leuten weniger Gehalt zahlen. Wir wollten aber lieber auf einem Campingplatz wohnen, weil wir ja nicht die Hälfte von dem Geld was wir verdienen, wieder für die Unterkunft ausgeben wollen. Jedenfalls meinte Kirsty dann Samstag und Montag kann ich noch mal um 07:00 anfangen, danach werden wir dann weiter sehen. Wir haben auch gehört, dass am Montag wieder 2 neue Leute kommen. Wahrscheinlich hätte sie uns dann also rausgeschmissen, wenn die Neuen bei ihr wohnen würden. In der Nacht zu Samstag haben wir beide nicht so gut geschlafen und ich hatte das Gefühl, dass ich eine Erkältung kriege. Deshalb haben wir uns dann spontan entschlossen, Kirsty anzurufen und zu kündigen. Sie schien zwar ein bisschen sauer zu sein, dass wir das von heute auf morgen gemacht haben (ist ja auch verständlich) aber sonst war es wohl kein Problem. Wir haben in den 9 Tagen, die wir jetzt gearbeitet haben, jeder ca. 800 A$ verdient. Die ersten 330 A$ Dollar hat Kirsty schon überwiesen. Wir hoffen, dass der Rest jetzt auch noch kommt.

Den freien Samstag haben wir dann genutzt, um uns Atherton und die Milla Milla Falls, Zillie Falls und Ellinjaa Falls auf dem 24km langen Waterfall Circuit anzuschauen. Auf dem Weg dahin haben wir noch am Certain Fig Tree gehalten. Das ist eine große Würgefeige mit vielen verschlungenen Wurzeln in der Luft.

Samstagabend haben wir dann das Zelt aufgeräumt und auf einmal hat Chris einen riesen Schritt zurück gemacht und erschrocken irgendwas gebrabbelt. Der Grund dafür war eine ziemlich große Spinne an der Innenseite unserer Zelttür. Chris wäre beinahe mit dem Kopf dagegen gestoßen. Ihr Durchmesser war bestimmt 15cm (inkl. Beinen). Wir haben erst versucht dieses Monster irgendwie von der Tür nach draußen zu schütteln. Das sah aber nur bescheuert aus und hat die Aufmerksamkeit unserer Nachbarn erregt, aber die Spinne sind wir damit nicht losgeworden. Deshalb dachten wir uns, töten wir sie, bevor sie uns tötet. Chris hat dann todesmutig auf jeder Hand eine Schicht von 20 Haushalttüchern gehabt und nach mehrmaligem Zögern dann zugeschlagen. Das Monster ging zu Boden, hat noch ein paar Mal gezuckt und war erledigt. Wahrscheinlich war auch diese Spinne harmlos, aber sie sah eben nicht so aus.

Heute, Sonntag, sind wir weiter nach Cairns gefahren. Nächste Woche wollen wir uns das Great Barrier Reef angucken und ein bisschen Schnorcheln. Wir hoffen wir sehen auch ein paar Fische.


Freitag, 08. August 2008

Cairns, Great Barrier Reef, Daintree Nationalpark, Cape Tribulation

Am Sonntag, den 03.08., sind wir in Cairns angekommen und haben wieder auf einem Campingplatz übernachtet. Cairns ist echt eine super Stadt zum Leben. Die Mischung aus modern und Gründerzeit-Style hat uns richtig gut gefallen. In Cairns gab es auch wieder ein kostenloses Freibad, die Lagune. Die Freibäder hier sehen echt 100-Mal besser aus als zum Beispiel in Berlin. Das sind nicht nur eckige Löcher mit Wasser. Alles richtig schön angelegt mit sauberen modernen Duschen und Toiletten. Und das alles für umsonst. Wir hatten hier überhaupt noch nie eine öffentliche Toilette, für die man Geld zahlen musste. Als wir das letzte Mal in Berlin im Freibad waren und gerade unsere Decke zwischen 100 andere Decken gequetscht hatten, wurde das Freibad auch schon evakuiert, weil jemand zum zweiten Mal an diesem Tag ins Becken gekackt hatte.

Wir haben uns auch gleich am Sonntag noch einen Überblick über die Schnorchelangebote verschafft. Eigentlich wollten wir ja einen 3-Tagestrip zum Great Barrier Reef und den Whitsunday Islands machen. Das ist von Cairns aber leider nicht möglich. Man kann so einen Trip zwar hier buchen, aber die Boote starten alle von Airlie Beach.

Das Great Barrier Reef ist übrigens eines der sieben Weltwunder. Es ist das größte Korallenriff der Erde, ca. 2.300 Kilometer lang und hat eine Fläche von etwa 348.000 Quadratkilometern. Mit 359 Hartkorallenarten bildet das Great Barrier Reef die größte von Lebewesen erschaffene Struktur auf der Erde und ist Heimat für sechs der sieben auf der Welt vorkommenden Arten von Meeresschildkröten, für die vom Aussterben bedrohten Dugongs (Seekühe), für 80 Arten von Weichkorallen und Seefedern, 1.500 Fischarten, 1.500 Schwammarten, 5.000 Arten von Weichtieren, 800 Arten von Stachelhäutern wie zum Beispiel Seesternen, 500 verschiedene Arten von Seetang und 215 Vogelarten.

Am Montag haben wir dann einen Schnorchel-Trip für 155 A$ pro Person gebucht. Das ist relativ günstig und beinhaltet Schnorchelausrüstung, Neoprenanzug und Morning Tea, Mittagsbuffet und Afternoon Tea. Das Schiff mit dem wir gefahren sind, hatte Platz für ca. 30 Passagiere, also eine recht kleine Gruppe. Man kann hier auch Touren buchen, wo dann 250 Passagiere auf dem Schiff sind. Die fahren dann zu verankerten Plattformen auf dem Riff und gucken sich die Korallen durch Glasbodenboote an. Teilweise werden hier wohl auch Netze gespannt, um Taucher vor Haien oder Rochen zu schützen - dann kann man aber auch ins Aquarium gehen.

Am Dienstag ging es dann los. Die Crew war super nett und noch recht jung. Außerdem waren 3 von ihnen Deutsche. Der erste Schnorchel-Spot war am Michaelmas Cay, einer kleinen Insel, die zum Vogelschutzgebiet erklärt wurde. Ein paar Leute aus der Gruppe waren tauchen und die Anderen sind Schnorcheln gegangen. Wenn man sich erstmal an das Atmen gewöhnt hat, macht es richtig Spaß. Wir hatten eine Schwimmnudel und konnten damit ganz einfach über die Korallen schwimmen. Der komplette Bereich vor der Insel war voller Korallen und das Wasser war so klar, dass man 20 Meter tief gucken konnte. Es gibt zig verschiedene Korallenarten. Die Meeresbiologen, oder wer auch immer den Korallen ihre Namen gibt, waren nicht sehr einfallsreich. Korallen, die aussehen wie ein Gehirn heißen zum Beispiel „Brain-Coral“, die, die aussehen wie ein Tisch „Table-Coral“ und die, die aussehen wie ein großer Teller „Plate-Coral“. Das könnte man jetzt ewig so weitermachen. Die Fische da unten waren echt der Hammer. So viele verschiedene Farben auf einmal haben wir noch nie gesehen. Es gab große Fischschwärme und einen Riffhai haben wir auch gesehen. Die Fische hatten extrem leuchtende Farben und man hat die Papageienfische an den Korallen knabbern gehört, wenn man die Ohren unter Wasser hatte. Nemo haben wir natürlich auch gesehen.

Dem armen Chris war nach dem ersten Schnorchelgang, eigentlich schon dabei, total übel. Er jammert ja eigentlich nicht so viel rum, aber ich glaube ihm ging’s richtig schlecht. Ich hatte vorher schon einen Reisekaugummi gegessen. Chris wollte natürlich keinen haben. Jedenfalls hat er nichts von dem leckeren Mittagbuffet gegessen. Das ist der Beweis dafür, dass es ihm extrem schlecht ging. Nachdem er dann 2 Reisetabletten und eine Vomex gegen Übelkeit verdrückt hatte, war er dann am Hastings Reef, dem zweiten Spot, zum Glück wieder fit.

Das Hastings Reef liegt im „Outer Great Barrier Reef“. Hier sah das Riff schon ziemlich anders aus als am Michaelmas Cay. Es gab richtig tiefe Schluchten, wo man das Ende nicht erkennen konnte. Die Korallen waren hier auch härter als die im flachen Wasser. Geil war auch der Napoleonfisch, der neugierig an einen heran geschwommen kam. Der hatte ziemlich spitze kleine Zähne und ein bisschen mulmig ist uns schon geworden. Immerhin war er ja auch gut einen Meter groß.

Auf dem Weg zum Hastings Reef wurde uns etwas über das Great Barrier Reef und seine Lebewesen erzählt. Interessant war zum Beispiel, dass Clownfische alle als Transsexuelle geboren werden. In einer Gruppe von geschlechtslosen Jungtieren bildet irgendwann der größte Fisch mit dem kleinsten der Gruppe ein Paar und setzt sich von den Anderen ab. Wenn sie eine Anemone als Wohn- und Futterplatz gefunden haben, entwickelt sich der größere Fisch zum Weibchen und der kleinere zum Männchen. Wenn das Weibchen nun von einem Raubfisch gefressen wird, kann dass Männchen, auf der Suche nach einem neuen Partner, zum Weibchen werden. Es könnte also sein, dass Nemo seine Mutter “heiratet”, die einmal sein Vater war. Ein Clownfisch kann sich allerdings nicht von einem Weibchen zu einem Männchen zurück verwandeln. Die höchste Stufe, die man als Clownfisch erreichen kann, ist also die Frau. Was für intelligente Tiere.

Chris größte und wie ich finde auch berechtigte Sorge war, dass die Fische bei dem ganzen Salzwasser irgendwann austrocknen ;)

Wir hatten uns vor dem Schnorcheltrip noch eine analoge Unterwasserkamera und dazu vier Filme gekauft. Die Kamera konnte man sich wie eine Uhr um den Arm machen. Das fotografieren damit war aber nicht so leicht. Man konnte nicht durch den Sucher gucken und hat quasi blind drauf los geknipst. Das Entwickeln der vier Filme und das Brennen auf CD hat 40 A$ gekostet. Insgesamt haben uns die Bilder 70 A$ gekostet. Richtig Freude kam dann auf, als wir uns die Bilder angesehen haben. Das waren die beschiss... Bilder die wir je gesehen haben. Die eine Ecke war fast immer schwarz und die Farben waren nicht zu erkennen. Naja kann man nichts machen. Das nächste Mal wenn wir Schnorcheln gehen, leihen wir uns eine digitale Kamera aus. Die besten der schlechten Bilder stellen wir trotzdem ins Netz.

Insgesamt waren wir echt total beeindruckt vom Great Barrier Reef und hätten noch Stunden über die Korallen und Fische schwimmen können. Wir kamen uns vor wie in einem riesen Aquarium mit den schönsten Fischen der Welt. Teilweise waren die sogar so nah, dass man sie hätte anfassen können. Wir werden auf jeden Fall auch am Ningaloo Reef an der Westküste Schnorcheln gehen. Dort kann man auch mit Walhaien schwimmen.

Am Mittwoch, als wir die Bilder abgeholt haben, haben wir noch Emma (von der Zucchini-Farm) in Cairns getroffen. Sie hatte auch am Wochenende aufgehört dort zu arbeiten und reist jetzt weiter nach Innisfail. Kirsty hat uns das Geld übrigens überwiesen.

Mittwochnachmittag sind wir dann weiter in den Norden nach Port Douglas gefahren. Port Douglas ist eine kleine hübsche Touristenstadt. Viel zu sehen gibt es aber nicht und so sind wir dann direkt weiter gefahren und haben uns auf dem Weg zum Daintree Village die Mossman Gorge im Daintree Nationalpark angeschaut. Der Captain Cook Highway zwischen Cairns und Port Douglas ist übrigens eine echt sehenswerte Strecke direkt an der Küste und richtigen Traumstränden entlang.

Im Daintree Village haben wir dann am Daintree River auf einem kleinen Campground geschlafen. Eigentlich hat sich der Weg zum Daintree Village nicht gelohnt. Es sei denn man möchte eine Krokodiltour auf dem Fluss machen. Für uns hat es sich nur gelohnt, weil wir in der Dusche einen „White Lipped Green Frog“ gesehen haben. Die sind hellgrün und recht groß.

Donnerstag, den 07.08., sind wir dann mit einer kleinen Autofähre über den Daintree River zum Cape Tribulation gefahren. Die Strecke von der Fähre zum Cape war richtig schön. Auf der einen Seite war der dichte grüne Regenwald und auf der anderen Seite echte Traumstrände. In diesem Paradies haben wir dann auch am Strand gefrühstückt. Es gibt dort aber einen großen Haken: Krokodile. Man sollte dort nicht einfach im Meer schwimmen und sich von den Flussufern fernhalten.

Das Cape Tribulation (Leiden) erhielt seinen Namen von Captain James Cook dessen Schiff „Endeavour“ 1770 vor der Küste auf ein Riff auflief. Ein bisschen Bildung muss sein.

Auf dem Rückweg haben wir noch mal in Port Douglas gehalten und an der Strandpromenade BBQ gemacht. Danach ging es dann weiter Richtung Innisfail, von wo aus wir am Freitag Richtung Westen ins Outback fahren werden. Geschlafen haben wir auf dem Babinda Rastplatz kurz vor Innisfail. Das war wieder ein kostenloser Rastplatz, auf dem es erlaubt ist, 24 Stunden zu campen. Man hätte sogar kalt duschen können. Wir haben uns aber dafür entschieden, in Innisfail am Flying Fish Point, heimlich auf einem Campingplatz eine warme Dusche zu nehmen. Echt eine gute Möglichkeit Geld zu sparen. Auch beim Internet sparen wir jetzt. In vielen Orten findet man irgendwo ein nicht verschlüsseltes WLan-Netz. An den meisten „Mobil“ Tankstellen hat man auch freien Zugang. In Innisfail haben wir auch noch einmal Wäsche gewaschen und unsere Vorräte aufgefüllt. Jetzt sind wir bereit für das einsame, staubige Outback.

Den nächsten Bericht gibt es dann aus dem „Roten Zentrum“!


Freitag, 22. August 2008

Kilometer, Staub und Einsamkeit

Oh man, wir haben jetzt 5.000 km in den letzten 14 Tagen zurückgelegt – und das durch das einsame und staubige Outback. Aber der Reihe nach...

Von Innisfail sind wir erst am Nachmittag los gefahren, weil wir ja noch Wäsche waschen mussten. Deshalb sind wir an diesem Tag auch nicht mehr weit gekommen. Auf dem Kennedy Highway sind wir über Ravenshoe in Richtung Outback gefahren und haben kurz vor der Kreuzung zum Savannah Way auf einem kleinen Rastplatz an der Straße geschlafen. Außer uns waren da bestimmt noch 6 andere Autos, Wohnwagen und Busse. Besonders ruhig war diese Nacht nicht. Das lag aber nicht an den anderen Leuten sondern an den Road Trains, die nur ca. 3 Meter neben uns vorbei gefahren sind. Die Road Trains können hier bis zu 54 Meter lang sein und auf den geraden Straßen hört man sie schon einen Kilometer bevor sie kommen. Am nächsten morgen gegen 6:30 haben dann zwei Road Trains auf dem schmalen Streifen zwischen uns und der Straße geparkt. Der Fahrer hätte uns quasi durch’s Dachfenster beim Schlafen beobachten können. Aber durch den ganzen Lärm waren wir ja eh schon wach und haben dann durch’s offene Dachfenster auf die beiden Trucks geguckt. Sah bestimmt blöd aus – zwei Köpfe auf dem Autodach.

An dem Tag sind wir dann auch zeitig weiter gefahren und waren den kompletten Tag unterwegs. Wir sind den Savannah Way über Georgetown, Croydon und Normanton gefahren und dann auf dem Matilda Highway Richtung Süden bis kurz vor Cloncurry gefahren. Es gab auf dem Weg aber auch echt nichts zu sehen. Die Städte, durch die wir gefahren sind, waren total tot. Da gab es nichts außer einer Tankstelle und einem Kiosk. Ok, in Croydon gab es noch eine Polizeistation - sah eigentlich eher aus wie ein kleines Einfamilienhäuschen. Wahrscheinlich wohnt der Sheriff auch mit seiner Familie dort und wenn man einen Überfall melden will, bleibt er sicher erstmal beim Mittag sitzen und möchte vor zwei nicht gestört werden.

Nachdem wir wieder eine Nacht auf einem Rastplatz verbracht haben, sind wir dann am Sonntag nach Mount Isa gefahren. Wir hatten echt Glück, denn dort war gerade das größte Rodeo Australiens und wir hatten den Sonntag noch Zeit, um uns das anzuschauen. War zwar nicht ganz billig (30A$) pro Person, aber ein Rodeo gehört im Outback dazu. Und ratet mal was sie dort für Musik gespielt haben... DJ Ötzi!!! Muss an dem Staub dort gelegen haben, sonst haben die Aussies nämlich einen ganz guten Musikgeschmack. In Mount Isa konnten wir auch an der Touristeninfo duschen – das wurde auch langsam Zeit.

Von Mount Isa aus sind wir dann am Montag auf dem Barkly Highway Richtung Tennant Creek weiter gefahren. Weit sind wir an diesem Tag nicht gekommen, weil wir in Mount Isa vormittags noch einkaufen und bei der Post waren. Also haben wir wieder auf einem Rastplatz geschlafen und sind Dienstag dann den Stuart Highway runter nach Alice Springs gefahren. Auf dem Weg lagen die Devils Marbles. Das sind rötliche Steine in vielen verschiedenen meist ründlichen Formen. Die Aborigines glauben, dass das die Eier der Regenbogenschlange sind.

Nach Mount Isa haben wir übrigens die Grenze zum Northern Territory überquert und mussten unsere Uhr deshalb um eine halbe Stunde zurück drehen.

Alice Springs hat zwar 35.000 Einwohner, wirkt aber trotzdem wie ein kleines verschlafenes Nest. In Alice Springs merkt man das Problem mit den Aborigines und dem Alkohol wieder sehr deutlich. Im ganzen Northern Territory stehen auch Verbotstafeln für Alkohol und Pornografie in Aboriginegebieten. Alice Springs hat eine schöne Einkaufstraße und man bekommt dort neben Souvenirs alles was man für den weiteren Weg so braucht.

Am Mittwoch sind wir dann schon am Ayers Rock, oder Uluru wie die Aborigines diesen heiligen Felsklotz nennen, angekommen. Uluru und die Kata Tjutas stehen in einem Nationalpark und man muss vorm Befahren 25A$ Nationalparkgebühren pro Person zahlen. Damit erhält man dann eine Eintrittskarte für drei Tage und ein kleines Infoheft. Schlafen darf man im Nationalpark nicht und da auch kein kostenloser Rastplatz in der Nähe war, haben wir uns für zwei Tage den Luxus eines Campingplatzes im Ayers Rock Resort gegönnt. Wer hätte gedacht, dass wir einen Campingplatz mal als Luxus bezeichnen würden.

Der Uluru ist der größte Monolith der Erde und am höchsten Punkt 348 Meter hoch. Er wirkt schon sehr beeindruckend, wenn man so um ihn herum fährt. Mittwoch haben wir uns im „Cultural Centre“, quasi der Touristeninfo, ein bisschen über den Uluru und die Kultur der Aborigines dort schlau gemacht. Rund um den Uluru verteilt, findet man einige heilige Stätten der Aborigines, die man nicht fotografieren oder betreten darf. Generell möchten die Aborigines nicht, dass man ihren Berg betritt. Darauf wird auch überall auf Infotafeln und Broschüren hingewiesen. Trotzdem klettern echt viele Touristen über „The Climb“ auf den Berg rauf. „The Climb“ ist eine Stelle an dem Felsen, wo eine Eisenkette nach oben gespannt ist, an der man hoch krakzeln kann - sah nicht ganz leicht und ziemlich steil aus. Dabei sind wohl auch schon 35 Menschen gestorben. Wir sind nicht rauf geklettert und verstehen auch nicht ganz, warum der Climb nicht komplett verboten wird, wenn schon Tafeln darum bitten, den Uluru nicht zu besteigen. Am Abend haben wir dann versucht, den berühmten Sonnenuntergang am Ayers Rock zu beobachten. Uns hat er aber nicht vom Hocker gehauen. Lag wahrscheinlich auch daran, dass es etwas bewölkt war und die Sonne nicht direkt auf den Uluru scheinen konnte. Aber auch am nächsten Abend, als keine einzige Wolke am Himmel war, fanden wir den Sonnenuntergang nicht so spektakulär. Da haben wir schon bessere gesehen. Der Uluru ändert zwar ein bisschen seine Farbe und sieht dann auch richtig leuchtend rot aus, aber sonst...

Donnerstagvormittag sind wir zu den Kata Tjutas, oder auch Olgas gefahren. Das sind Steinformationen ca. 50km vom Ayers Rock entfernt. Hier sind wir den 7,4km langen „Valley of the Winds“ Walk gelaufen. Der ging über steinige Wege und Felsen nach oben und führte an Schluchten und ausgetrockneten Wasserlöchern vorbei. Insgesamt haben uns die Olgas besser gefallen als der Ayers Rock. Was aber ein bisschen genervt hat, war der extrem kalte und starke Wind.

Weil wir wahrscheinlich nur einmal in unserem Leben am Uluru sind, haben wir uns dazu entschieden, die drei Tage für die wir bezahlt hatten, auch auszunutzen und sind am Freitag den Uluru Base Walk (9,4km) einmal komplett um den Stein herum gelaufen. Echt unheimlich war, dass, wenn man in der Nähe der heiligen Stätten gefilmt hat, der Wind immer stärker wurde. War natürlich Zufall, aber es ist echt aufgefallen. Chris hat sich den Weg über darüber amüsiert, dass ich die Vogelkacke in den Höhlen rangezoomt und fotografiert habe. Für mich sah das von weitem aber aus wie Malereien von Aborigines. Meine Augen sind halt nicht mehr die Besten.

Nach dem Base Walk sind wir dann die 320km zum Kings Canyon gefahren und haben im Kings Canyon Resort auf dem Campingplatz geschlafen. Am Abend hat dort ein Ranger mit einer Diashow ein bisschen was über die Gegend und die Pflanzen und Tiere erzählt. Ein echtes Problem auf dem Campingplatz waren die Dingos. Es gab ziemlich viele und die waren auch überhaupt nicht mehr scheu. Wir haben sogar einen Dingo beobachtet, der in ein Zelt rein gegangen ist und sich da was zu essen geholt hat. Wir waren echt froh, dass wir im Auto schlafen konnten.

Am nächsten Morgen wurden wir dann auch vom Heulen der Dingos geweckt. Nach dem Frühstück sind wir den „Kings Canyon Rim Walk“ gelaufen. Mit Abstechern zu einem extra Lookout und dem „Garden of Eden“ waren das 8,4km. Man wer hätte gedacht, dass wir uns mal freiwillig so viel bewegen. Der Weg war teilweise echt steil und es ging neben einem richtig tief runter und das ohne Absperrungen. Und dann kam ja noch der wieder extrem starke und kalte Wind dazu. Ich hatte zwischenzeitlich schon ein bisschen Schiss. Der Weg hat sich aber echt gelohnt. Die Aussicht von da oben war der Hammer und auch die Schlucht und die farbigen Sandsteine waren beeindruckend.

Um nicht auf dem Highway den gleichen Weg zurückfahren zu müssen, haben wir uns dazu entschieden, den Mereenie Loop zu fahren. Das ist eine Offroad Strecke in Aboriginegebiet für die man eine Genehmigung braucht. Als wir uns die Genehmigung geholt haben, wurde uns schon gesagt, dass die Strecke im Moment sehr rau ist. Wir dachten, schlimmer als auf Fraser Island kann’s nicht sein und sind frohen Mutes losgefahren. Nach den ersten Metern haben wir diese Entscheidung aber schon bereut. Die Strecke war zwar nicht besonders schwierig zu fahren, aber sie war komplett mit tiefen Rillen durchzogen. Am Anfang sind wir mit 30km/h darüber gefahren und das Auto hat überall geklappert und ich dachte meine Scheibe fällt jeden Moment raus. Es war sogar so laut, dass wir das Radio ausgemacht haben, weil man nichts mehr gehört hat. Uns kamen auf dem Weg auch eins, zwei andere Autos entgegen, die mit deutlich mehr Geschwindigkeit gefahren sind. Wir haben dann auch ein bisschen mehr Gas gegeben und es war so wirklich ein bisschen besser. Nach 2 Stunden hatten wir den schlimmsten Teil geschafft, denn Bauarbeiter hatten ca. 2/3 der Strecke gerade geglättet gehabt. Da konnte man dann wieder besser fahren. Zum Glück, sonst hätten wir den Rest der Strecke noch im Dunkeln fahren müssen. Als wir dann wieder auf einer geteerten Straße angekommen sind, waren wir froh, dass wir uns für die Strecke entschieden haben. Das hat doch gut Zeit gespart und wir haben 2 Wildpferde, ein großes rotes Känguru und eine Horde Kamele gesehen, die vor unserem Auto die Straße überquert haben. Kamele gibt es im Zentrum und im Westen von Australien übrigens richtig viele. Die wurden von den Europäern als Nutztiere eingeführt und irgendwann nicht mehr gebraucht. Die Kamele sind so gut an diese Umgebung angepasst, dass sie sich immer mehr vermehrt haben und es heute mehr als 800.000 davon gibt. Kamele können in 2 Minuten 120 Liter Wasser trinken und somit ein Wasserloch, das für die einheimischen Tieren überlebenswichtig ist, austrocknen. Durch die ganzen von den Europäern eingeführten Pflanzen und Tiere sind in Australien in den letzten 200 Jahren mehr Pflanzen- und Tierarten ausgestorben, als irgendwo sonst auf der Welt. Viele von denen gab es auch nur in Australien und gibt es heute teilweise auch nicht mal mehr in Zoos.

Im Western McDonnell Ranges National Park angekommen, haben wir in einem Bushcamp an der Redbank Gorge geschlafen. Außer uns war dort nur noch ein anderes älteres Pärchen, das aber ein ganzes Stück von uns weg stand. In dem Bushcamp gab es gute Feuerstellen und Holz war auch noch vom Vorgänger da. Also haben wir uns auf dem Feuer was zu essen gekocht - sehr romantisch und kuschelig warm. Die Nacht war mir dann aber wieder ganz schön unheimlich und viel geschlafen habe ich nicht – Chris dann also auch nicht.

Am Namatjira Drive westlich von Alice Springs gibt es auf ca. 200km viele Schluchten und Wasserlöcher. Die Landschaft ist echt schön dort. Wir haben uns am nächsten Tag die Glen Helen Gorge angeguckt und auch dort in einem Roadhouse gefrühstückt. Wir haben total nach Knoblauch und Qualm gestunken und sahen wahrscheinlich auch nicht besonders sauber aus. Das war schon ein bisschen peinlich, aber in einem Bushcamp kann man halt nicht duschen. Danach ging es weiter zur Ormiston Gorge wo wir den „Ghost Gum Walk“, eine 2-stündige Wanderung über die Schlucht und durch ein ausgetrocknetes Flussbett, gelaufen sind. War mal wieder sehr schön. Das Highlight waren die „black footed rock wallabies“ also die schwarzfüßigen Felswallabies, die wir dort gesehen haben. Eins hatte sogar ein Junges im Beutel. Da sie so ca. 3 – 4 Meter über uns waren und wussten, dass wir eh nicht an sie ran kommen, haben sie sich auch gar nicht von uns stören lassen. Nach einem kurzen Stopp am Ellery Creek Big Hole, wo man bei wärmeren Wetter super hätte baden können, sind wir dann weiter nach Alice Springs gefahren.

Die komplette Strecke im Outback war ziemlich eintönig und nach einer Weile auch echt langweilig. Zum Glück haben wir ein paar gute Hörbücher und den besten Rock-Oldies-Sampler überhaupt dabei gehabt. Ein paar interessante Dinge gab es aber doch zu sehen. In Mareeba und Umgebung hatten wir ja schon viele Termitenhügel gesehen. Auf der Strecke im Outback haben wir aber einen ganz besonderen Termitenhügel entdeckt. Er war ca. 2 Meter hoch, rot-braun wie die Erde und sah auf den ersten Blick aus wie eine Kuh. Auf den zweiten Blick war es ganz eindeutig ein Termitenhügel und als wir mit ca. 100 Sachen daran vorbei gefahren sind, haben wir erkannt, dass es doch eine echte Kuh direkt an der Straße war. Schon komisch. Bin nur froh, dass es uns beiden so ging. Ich weiß ja, dass meine Augen nicht mehr die Besten sind. Wir haben auf der Fahrt zum Ayers Rock noch einige faszinierende Dinge gesehen. Neben zahlreichen Autowracks und Rindern an der Straße waren da noch Wellensittiche, rosa Kakadus, Emus, 2 tote Wildschweine, zig Känguruleichen und ein Dingo, der sich so ein lecker Essen von der Straße geholt hat. Außerdem gab es echt große Adler, die sich auch über die Leichen auf der Straße her gemacht haben. Wir hätten nicht gedacht, dass es so viele Tiere in dieser trockenen Gegend gibt. Fliegen gibt es auch einige. Im Sommer sind sie wohl eine richtige Plage. Im Moment geht es noch, aber wir können uns vorstellen, wie ätzend das werden kann. Die fliegen nämlich nicht einfach nur in der Gegend rum, sondern versuchen dir die letzte Feuchtigkeit aus den Augen, der Nase oder dem Mund zu saugen.

Die Gegend ist übrigens so einsam, dass uns auf dem Weg so gut wie jedes entgegenkommende Auto gegrüßt hat - egal ob Farmer, Polizist oder andere Touristen.

Am Sonntag (17.08.2008) sind wir dann wieder in Alice Springs angekommen und haben unsere Wäsche und uns selbst vom Outbackstaub befreit. Am Montag wollten wir dann den längst fälligen Service für unseren Pajero machen lassen. Leider war aber so schnell kein Termin zu bekommen. Also haben wir uns dann den Desert Park in Alice Springs angeschaut, waren noch mal einkaufen und sind dann weiter Richtung Norden gefahren. Der Desert Park war zwar nicht besonders spektakulär, aber sehr informativ und wir haben mal gesehen, wie das Outback nach Regen aussehen kann. Außerdem gab es in einem Heft aus der Touristeninfo einen Voucher, mit dem wir für jedes gekaufte Ticket ein gratis Ticket bekommen haben. Also haben wir nur Eintritt für eine Person bezahlt. Diese Rabattvoucher, die meist am Ende von Infobroschüren sind, können sich echt lohnen.

Die Nacht zu Dienstag haben wir an einem freien Campspot an den Devils Marbles verbracht.

Am Dienstag sind wir dann wieder den kompletten Tag unterwegs gewesen. Abends haben wir dann an den heißen Quellen im Elsey Nationalpark angehalten und das erste „Bad“ seit 2 Monaten genommen. Die Quellen waren ca. 34°C warm und am Eingang stand ein Schild, dass es dort Krokodile geben soll - aber keine Angst Süßwasserkrokodile tun den Menschen nichts. Na hoffentlich wissen das die Süßwasserkrokodile auch. Wir haben jedenfalls außer Vögeln und Flughunden dort keine Tiere gesehen. Erfrischt und geruchsneutralisiert sind wir dann noch eine Stunde weiter bis Katherine gefahren, wo wir auch geschlafen haben. Die Katherine Gorge soll sehr schön sein. Da wir diesen Weg aber noch mal fahren müssen, wenn wir an die Westküste wollen, haben wir uns entschlossen, uns die Umgebung dort später anzugucken.

So sind wir dann am Mittwoch in Darwin angekommen. Hier ist es echt warm. Im Outback haben wir unsere Jacken und den Schal wieder raus geholt und hier ist jedes Stückchen Stoff zuviel und wir schwitzen ohne Ende.

Nachdem wir am Donnerstagvormittag olle Manny mal wieder einer gründlichen Reinigung unterzogen haben, hat er auch endlich seinen Service bekommen. Wir haben in verschiedenen Werkstätten nachgefragt und der einfache Service hat von 150 bis 330 A$ gekostet. Wir haben uns dann für die billigste Werkstatt entschieden, weil so ein Standartservice eigentlich immer die gleichen Leistungen beinhaltet müsste. Nach zwei Stunden konnten wir ihn wieder abholen und der Mechaniker meinte, es sei alles in Ordnung.

Nun werden wir uns mal wieder auf die Suche nach einem Job machen. Der Sprit für 5.000km war nicht ganz billig. Zumal man im Outback auch mehr als in der Stadt bezahlt. 2,10 A$ / Liter war das teuerste was wir getankt haben. Ist wahrscheinlich aber immer noch billiger als in Deutschland im Moment.